Bild: Stadtplan Bochum 1911. Historische Stadtpläne Stadtplanwerk Ruhrgebiet 2.0 © Regionalverband Ruhr und Kooperationspartner.
Die WAZ+ berichtete am 27.10.2024 über den »Kampf um Parkplätze« rund um das Bergmannsheil im Ehrenfeld. Das Problem auf Hunscheidtstraße, Friederikastraße und vielen anderen Straßen: »Auf beiden Straßenseiten parken die Autos ohne viel Platz dazwischen.« Für Busse, Paketdienste und Lieferanten bleibt kein Platz.

Anwohner haben Mitarbeiter des Bergmannsheil im Verdacht, die Straßen vollzuparken. Es seien immer dieselben Autos zu immer denselben Zeiten. Die Politik und Verwaltung wollen jetzt nur noch vier Stunden Freiparken für Nichtanwohner erlauben. Das Bergmannsheil hat über 2.000 Mitarbeiter und 700 Betten. Das Parkhaus hat 348 Parkplätze – kostenpflichtig. Ab 6 Stunden Parkdauer ist der Tageshöchstsatz von 16,50 € erreicht.

Zum Bergmannsheil kommen im übrigen Ehrenfeld noch die Knappschaft, das Schauspielhaus, Schulen, Kindergärten und viele andere Arbeitgeber.
Interessant ist, was im Artikel steht, interessanter ist einiges, was dort nicht zu lesen ist:
- Im März 1874 vereinbarten die Anwohner in Erinnerung an den siegreichen deutsch-französischen Krieg 1870/71 die Umbenennung der Gegend in »Ehrenfeld«.
- Das Ehrenfeld wurde autofrei geplant und gebaut. Daimler & Benz haben das Auto 1886 erfunden und Clemens Erlemann begann 1898 mit der Planung des neuen Stadtgebietes Ehrenfeld.
- Kutschen parkten nicht massenhaft am Straßenrand. Pferde brauchten Stallungen, Autos brauchen Parkhäuser.
- Clemens Massenberg plante ab 1946 Straßen mit Radwegen. Noch 1950 waren die Straßen leer – von parkenden Autos.
- »Es gibt keinen Anspruch auf Parkflächen im öffentlichen Raum« betont die Verwaltung – auch im Ehrenfeld?
- Gibt es ein Recht auf kostenloses Parken?
- Ist das Parkhaus am Bergmannsheil überlastet?
- Gehwege müssen immer breit genug sein für zwei Fußgänger und radfahrende Kinder. Ist da noch Platz zum Parken?
- Auf der Fahrbahn muss Platz genug sein für den Begegnungsverkehr – mindestens von Bus oder Auto und Fahrrad. Ist der freie Raum auf der Fahrbahn breit genug?
- Durch das Ehrenfeld fahren Mehrere Buslinien. Wird der ÖPNV durch parkende Kfz behindert?
- Parkende Autos erfordern immer seitliche Sicherheitsräume: 0,75 m Sicherheitstrennstreifen zum Radverkehr. Ist da Platz genug?
- Tempo-30-Zonen senken die Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs, machen die Fahrbahn aber nicht breiter.
- Warum gibt es im Ehrenfeld Stopp-Schilder in Tempo-30-Zonen? In anderen Bundesländern ist das aus gutem Grund untersagt.
- Wie sieht es aus mit Elterntaxis an den Grundschulen?
- Der Radverkehr ist Teil der Lösung, aber auch Fahrräder brauchen ein wenig Platz.

Nur an einer Stelle blitzt im Artikel ein Teil der Lösung auf
Ein Krankenpfleger im Bergmannsheil mit Nahverkehrs-Jahreskarte sagt: »Ich hab‘ jetzt Ruhe!« und lacht.
Wer mit dem Rad fährt, braucht nicht einmal eine Jahreskarte.
Rad fahren im Ehrenfeld ist nicht immer lustig. Auch nicht in den Tempo-30-Zonen.

Parken in Paris
In Paris reduziert die Bürgermeisterin Hidalgo seit 2014 die Parkmöglichkeiten drastisch:
70.000 oberirdische Parkplätze sollen bis 2026 aufgehoben und umgenutzt werden.
Von den verbleibenden 550.000 Parkplätzen befinden sich dann 480.000 in Parkhäusern.
Im Stadtgebiet wurde fast überall Tempo 30 eingeführt.
SUV-Parken wird drastisch teuer: Sechs Stunden kosten 225 €.
Nur noch ein Drittel der Pariser Haushalte besitzt ein Auto.
Der Pkw hat den Spitzenplatz in der Riege der Fortbewegungsmittel offenbar verloren. Aus einer Befragung des Stadtplanungsinstituts Paris Region geht hervor, dass nur noch 4,3 Prozent der Wege in der französischen Hauptstadt mit dem Auto zurückgelegt werden. Das Fahrrad kommt demnach auf 11,2 Prozent.
Der Studie des Stadtplanungsinstituts zufolge legen die Hauptstadtbewohner die meisten Wege zu Fuß zurück (53,5 Prozent). An zweiter Stelle stehen die öffentlichen Verkehrsmittel mit 30 Prozent.
Mitte der Neunziger gab es in Paris gerade mal drei Kilometer Radwege.
Inzwischen stehen fast 1.000 Kilometer Radwege zur Verfügung.
Bochum:
https://www.waz.de/lokales/bochum/article407536954/alle-beschweren-sich-kampf-um-parkplaetze-am-bergmannsheil.html (WAZ+)
https://www.historisches-ehrenfeld.de/geschichte.htm
Paris:
https://www.diepresse.com/18393685/in-paris-gibt-es-jetzt-mehr-raeder-als-autos
https://www.mobilitaetsforum.bund.de/DE/Themen/News-RADar/_texte/Auslandsexkursion-Paris-Nachbericht_2023.html
https://www.infosperber.ch/umwelt/boden-raum-verkehr/fuer-die-15-minuten-stadt-paris-hebt-70000-parkplaetze-auf/
https://www.oekom.de/beitrag/die-15-minuten-stadt-in-paris-gehen-sicherheit-und-klimaschutz-hand-in-hand-534
https://parisjetaime.com/ger/artikel/radwege-fahrrad-in-paris-a854