Bild: Radfahren an der RUB (Uni-West) ca. 1990.
1962 wurde die Ruhr-Universität Bochum gegründet. Im selben Jahr begann die Autoproduktion im Neuen Opel-Werk in Bochum. 1964 begann der Bau der RUB.1
Aus der Luft wirkt die RUB klar und einfach gegliedert. Am Boden stellt sich das anders dar: Die RUB wurde in eine Hanglage gebaut. Dadurch ist es nicht möglich, die RUB auf einer Ebene zu durchqueren, erst recht nicht diagonal.
Zudem wurde die RUB und die umliegende Universitätsstadt fahrradfrei geplant. Der maßgebliche Bezugspunkt war das Auto, ergänzt durch eine Straßenbahn.
Siehe: Peter M. Bode: Ich war in Bochum.
1986, als ich nach Bochum kam, war es nicht möglich, von der Hustadt aus die G-Gebäude mit dem Fahrrad zu erreichen. Die Universitätsstraße hatte keine Radwege, genauso wenig der Hustadtring und auf dem Campusgelände gab es auch keine Radwege.

Bis heute darf man nicht mit dem Rad vom Buscheyplatz über die Petschelt-Brücke zur Uni-Bibliothek oder zur AStA Fahrrad Werkstatt fahren. Von da aus ist das Audimax nur über Treppen erreichbar und damit auch die G- und N-Gebäude.
Unter anderem vor diesem Hintergrund wurde 1989 der ADFC Bochum gegründet. Schon 1991 folgte dem ein ADFC-Radverkehrskonzept für die RUB und die FH Bochum – »Fahrrad für die Uni« (FAUN):
»Die RUB atmet Benzin«
»Die bauliche Gestaltung der RUB entspricht in seltener Klarheit dem Verkehrskonzept der 60’er Jahre. Zur Zeit des Bemühens um die autogerechte Stadt wurde die RUB geplant und gebaut als autogerechte Universität. Das Herz der RUB ist das Auto, treffsicher symbolisiert im zentralen Parkhaus des Kernbereichs, dem alle anderen Gebäude der RUB logisch untergeordnet sind. Am zentralen Parkhaus kommt niemand vorbei. So wird jedem Besucher der RUB schon auf den ersten Blick unmißverständlich signalisiert: „Komm‘ mit dem Auto, sonst bist du verloren.“
Daß der RUB-Besucher auch dann verlorengeht, wenn er der Botschaft traut und mit dem Auto kommt, ist der sarkastische Kommentar der täglichen Erfahrung zum verkehrsplanerischen Traum von der autogerechten Universität. Seit Jahren laboriert die RUB am selbstinszenierten Verkehrskollaps, der mit der herbeigerufenen Blechlawine einhergeht.«

»Fußgänger, Radfahrer und der öffentliche Nahverkehr wurden und werden an der RUB
nach wie vor mißachtet. Der vorrangige Ausbau dieser ökologisch verträglichen
Verkehrsarten ist das Gebot der Stunde.«
»Jeder einzelne Student oder Mitarbeiter, der mit dem Fahrrad zur RUB kommt, leistet allein schon durch die Tatsache, daß er kein Auto benutzt, einen bedeutsamen Beitrag zur Schonung der Umwelt und zur Entlastung der Verkehrssituation an der RUB. Jedes Fahrrad auf dem Gelände der RUB bedeutet einen Gewinn.« (FAUN, 1991)
Das Konzept selbst war einfach und hatte nur vier Kernforderungen:
- Die RUB muß für jede der vier Hauptverkehrsrichtungen (Nord, Ost, Süd, West) eine
vom Autoverkehr unabhängige Fahrradverbindung ausweisen. Die vier Hauptstrecken
sind auf dem Gelände der RUB miteinander zu verbinden. - Alle Einrichtungen der RUB (insbesondere die ausgelagerten Institute) müssen durch
ausgewiesene Fahrradstrecken miteinander verbunden werden. - Alle Studentenwohnheime im Umkreis von 5 km um die RUB müssen auf
vorteilhaften Radverkehrsstrecken mit der RUB verbunden werden. Diese Strecken sind
auszuschildern. - Auf dem Gelände der RUB werden nur noch Fahrradabstellanlagen verwendet, die es
erlauben, jedes abgestellte Fahrrad mit dem Rahmen und mindestens einem Laufrad
anzuschließen. Außerdem ist ein Wetterschutz vorzusehen.
Mit anderen Worten: Alle Einrichtungen der RUB sollten aus jeder Richtung erreichbar sein und in jeder (anderen) Richtung auch wieder verlassen werden können.
34 Jahre später: Die RUB hat wieder einen Mobilitätsbeauftragten. Das war schon einmal so:
Björn Frauendienst war der Koordinator des Mobilitätskonzepts im Projekt RUB 2012. Das führte zu dem »Campusplan für Radfahrende«, den der Mobilitätsbeauftragte von 2025 zu Recht für »hinfällig« erklärt hat.

Wer es testen will:
Fahre mit dem Rad von der Ausfahrt Uni West der Unistraße diagonal zum botanischen Garten der RUB. Gerne mit Zwischenstopp an der Fahrradwerkstatt und im NA-Gebäude.
Arne Wetzenstein fasst das Problem so zusammen:
Ein großes Problem ist seit jeher die Erreichbarkeit der Gebäude und der einzelnen Institute mit dem Fahrrad.
ADFC Bochum, FreiRad 14, August 2025, S. 41
»Seit jeher« meint nichts anderes als: seit 1962. Und 1991. Und 2013.
Er hat dieselben Aufgaben vor sich, die der ADFC schon 1991 dokumentiert hatte.
Das strukturelle Problem ist auch dasselbe wie früher: Die RUB ist auf dem Uni-Campus nur Mieter. Das Sagen hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW und außerhalb davon die Stadt Bochum.
Die Universitätsstraße
Die Unistraße wurde extra für die RUB und die Universitäts-Rahmenstadt auf die grüne Wiese gebaut. Mit Autobahnstandard: Drei Fahrstreifen pro Richtung, niveaufreie Kreuzungen und eine direkte Autobahnanbindung (A43). Heute sind es sogar zwei: A43 und A448.
Die Radfahrstreifen auf der Unistraße vom Innenring mussten von ADFC Bochum und Bezirksvertretung gegen zähen Widerstand durchgesetzt werden. Dabei waren nach dem Bau der U35 Flächen übrig, die andern gar nicht mehr nutzbar waren.
Und bis heute geht es ab Uni-West nicht mehr weiter. Die Unistraße Richtung Langendreer ist eine Horrorstrecke für Radfahrer – in beiden Richtungen. Verboten ist das Rad fahren im Gegensatz zur Wittener Straße dort nicht, aber es traut sich zu recht niemand.
Man sieht hier niemanden Rad fahren. Wer es einmal versucht, tut es nie wieder.
https://bovelo.de/2024/05/03/einfach-nur-geradeaus-fahren/#K1
Auch Arne Wetzenstein sieht den Handlungsbedarf:
Auf meinem Wunschzettel steht die Einrichtung einer Zufahrt Uni-Mitte und die Freigabe der Unistraße bis Langendreer.
ADFC Bochum, FreiRad 14, August 2025, S. 41
Er erinnert zu recht daran, dass die Stadt Bochum das schon vor einiger Zeit in Aussicht gestellt hatte. Es gab ja sogar den Plan eines »Radschnellwegs Universitätsstraße«.
Ich warte seit 1986 darauf. Nächstes Jahr sind es 40 Jahre.