Am Dienstag, 19.08.2025, wurden 3 km Radschnellweg zwischen Darpestraße (A40) und Parkstraße (WAT) feierlich eröffnet. Die Beteiligten waren voll des Lobes für sich selbst. Die Strecke ist auch fast fertig.
Am Vortag wurde noch schnell dafür gesorgt, dass Radfahrer auf dem RS1 an der Blücherstraße auch tatsächlich in beiden Richtungen ein Grünsignal bekommen. Das funktionierte bis dahin nur in einer Richtung.

Diese einzige Ampelanlage auf dem Streckenabschnitt ist auch der interessanteste Punkt: Ist der RS1 tatsächlich ein Rad-Schnell-Weg? An dieser Ampel kann man ins Nachdenken kommen, wenn man vor einer roten Ampel steht. Radschnellwege sind in NRW Landesstraßen gleich gestellt und müssen daher Vorrang vor kommunalen Straßen wie der Blücherstraße bekommen. Die Beschilderung an der Kreuzung sagt das Gegenteil.
Radfahrer, die sich der roten Ampel nähern, können nicht erkennen, ob und wann sie Grün bekommen. Ohne Verkehr haben die Autofahrer Grün und die Radfahrer Rot – trotz Vorrang. Allerdings soll die Ampelanlage noch verbessert, vervollständigt und aufgewertet werden. Die technischen Lösungen dafür sind vorhanden, aber nicht installiert. Es wird in den nächsten Monaten sehr interessant sein, wie sich diese Ampelanlage auf dem RS1 weiter entwickelt. Offensichtlich ein Work in Progress. Die Messlatte liegt hoch.
Daher ist es ein wesentliches Ziel, die Zahl der Haltevorgänge und die hieraus resultierenden Warte- und Haltezeiten möglichst auf ein Minimum zu reduzieren, um die Attraktivität und Leistungsfähigkeit sicherer RSV an lichtsignalgeregelten Knotenpunkten zu gewährleisten.
Radschnellverbindungen in NRW. Leitfaden für Planung, Bau und Betrieb. 4.4, Lichtsignalanlagen
Gelsenkirchen hat mit der Kreuzung Krayer Straße eine ganz ähnliche Aufgabe vor sich.

Eine Fortsetzung des RS1 Richtung Bochum Mitte über die A40 bis zum Westpark und weiter zur Bessemer Straße wird es frühestens 2030 geben – oder auch noch später.
Dagegen soll die Brücke über die Parkstraße/Aschenbruch schon in etwa einem Jahr fertig sein.
Der jetzt fertig gestellte Abschnitt war der mit Abstand einfachste auf Bochumer Stadtgebiet.
Ab jetzt folgen die eigentlichen Aufgaben.
Auch die Umfahrungstrecke zwischen Westpark und Darpestraße wurde eröffnet.

Wie geht es weiter?
Die WAZ schreibt:
»Von der Bessemer Straße aus soll es dann durchs Ehrenfeld (Ehrenfeldstraße, Clemensstraße und Hermannshöhe) weiter bis hinter den Hauptbahnhof gehen. Weil sich in den engen Wohnvierteln keine Fahrrad-Autobahn bauen lässt, will sich die Stadt hier mit Fahrradstraßen weiterhelfen. „Die zählen zum allgemeinen Standard für Radschnellwege“, erklärt Verena Börger vom Tiefbauamt. Die dort dringend benötigten Parkplätze will man nach Möglichkeit erhalten.«1
Parkplätze haben auf dem Radschnellweg also Priorität. Willkommen in der Wirklichkeit. Dabei sagt der Planungsleitfaden eindeutig:
Trassierung mit einer Entwurfsgeschwindigkeit von mindestens [!] 30 km/h
Radschnellverbindungen in NRW. Leitfaden für Planung, Bau und Betrieb. 3.2.2.
»Baulich herausfordernd wird es kurz vor dem Hauptbahnhof. Auf Höhe des Ibis-Hotels soll eine Brücke gebaut werden, die sich an dem Hotel vorbei bis zur Ferdinandstraße schlängelt. „Das wird hübsch“, sagt Verena Börger.«
Wenn ich höre, das mit Millionenaufwand eine miese Karikatur eines Radschnellweges gebaut werden soll, sträuben sich mir die Haare. Ein Radschnellweg, der sich »schlängelt«, das ist nicht hübsch, das ist kein Radschnellweg:
»Die beiden bereits fertigen Abschnitte zwischen Jahrhunderthalle/Westpark und Ehrenfeld (Bessemer Straße) sind eher kurz, verlaufen verwinkelt und versteckt zwischen Wohnviertel und Industrie.« (WAZ)
Soll es noch schlimmer werden?
“Eine Fortsetzung des RS1 Richtung Bochum Mitte über die A40 bis zum Westpark und weiter zur Bessemer Straße wird es frühestens 2030 geben – oder auch noch später. “
Genau das…Jahre zu spät…und Lichtjahre schlechter als so gut wie jeder normale Radweg in den Niederlanden.
Und das alles soll eine Bundesstrasse sein…
Echt traurig für was sich die Politik hier lobt!
Danke für den Bericht.
Wir sind Mittwoch (20.08.2025) extra aus Essen rübergekommen um den neu eröffneten Abschnitt zu begutachten.
Der Beginn – von Essen aus kommend – ist nicht beschildert. Man weiß nicht, ob man von rechts oder von links auf den neuen RS1 fahren soll. Beides klappt aber – mehr oder weniger umständlich.
Am Ende (Darpestr.) schwingt zwar ein breiter Weg die A40 hoch, aber anschließend hangelt man sich von roter Ampel zu roter Ampel. Die Ampel an der Goldhammer Str. war natürlich auch rot, obwohl die parallele Straßenampel grün zeigte. Als Ortsunkundige haben wir 2 Ampelphasen gewartet, bis endlich einer kapiert hat, dass der Knopf an der 30m entfernten Ampel zu drücken ist.
Noch katastrophaler war dann der Übergang an der Gahlenschen Straße. Der hintere Abschnitt zeigte grün. Es nützte nichts, da wir davor ja rot hatten. Als wir endlich grün bekamen, wurde der hintere Abschnitt natürlich rot! Wir durften folglich mit 10 Radfahrern auf der engen Verkehrsinsel stehenbleiben während vor und hinter uns die LKWs durchdonnerten.
Kaum geschafft, endete der Weg plötzlich im Kreisverkehr und wir mussten uns durch den Gegenverkehr auf die andere Straßenseite kämpfen.
Endlich haben wir es bis zur Alleestraße geschafft, empfing uns ein Schild: Großbaustelle, empfohlene Umleitung für Radfahrer. Ab da durften wir über Kopfsteinpflaster hüppeln, als wären wir Pferdekutschen aus dem 19. Jahrhundert.
In Höhe Kortumer Str. endete dann die Umleitungsempfehlung und wir mussten uns durch Fußgängerwege schlagen, sehr zur Freude der anderen Verkehrsteilnehmer.
Erst hinter dem Hauptbahnhof, nachdem wir in die Akademistraße eingebogen sind, kehrte wieder die von anderen Radverbindungen gewohnte Ruhe ein.
Die Springorumtrasse, die ja zum Glück nach monatelanger Sperrung wieder freigegeben ist, entschädigte voll für den Streß der Bochumer Innenstadt.
Das RS1 Stück empfinde ich als traumhaft. Wirklich toll.
Frustrierend allerdings, dass es (so wie ich das sehe) kaum eine aktuelle Verbindung zum Pendeln bietet.
Der RS1 könnte so toll sein.
Besonders frustrierend ist der Baustopp.
Dabei könnte der RS1 die PKW Strassen massiv entlasten.
Trotzdem wird an PKW Strassen mit Nachtschichten gebaut, während an Rad-Baustellen monatelang kaum ein Bauarbeiter sichtbar ist.
Wer Straße baut, wird Autoverkehr ernten.
Wenn man Fahrradwege nicht baut, wird auch nicht Fahrrad gefahren.
Fahrradstraßen mit KFZ Freigabe erachte ich als schlechten Witz.
Mein 5jähriges Kind radelte genau einmal in einer Wittener Fahrradstraße und wurde bereits nach 30m von einem SUV mit 35km/h und 50cm Seitenabstand überholt.
Den lasse ich da nie wieder radeln.
Und auch ich werde da ständig bedrängt, geschnitten, genötigt.