Bild: Markstraße Richtung Universitätsstraße. Radverkehr und motorisierter Verkehr werden nicht rechtzeitig getrennt. Die Abbiegegeschwindigkeit bleibt hoch.
Rettungsdienste fordern Helmpflicht auf Pedelecs – Radfahrer fordern sichere Radwege.1
Eins ist sicher: Bei einer Kollision zwischen Kfz und Fahrrad reicht die Schutzwirkung des Fahrradhelms oft nicht mehr aus. Die beste Schutzwirkung hat ein Fahrradhelm bei Alleinunfällen von Radfahrenden.
Das Fazit der UDV-Studie:
»Die Prüfgeschwindigkeit in aktuellen Testverfahren (EN 1078) erscheint im Kontext von Alleinunfällen ausreichend. Bei schweren Kollisionen mit einem Pkw werden jedoch oft weit höhere Kopfanprallgeschwindigkeiten erreicht.«2
»Kopfanprallpunkte bei Unfällen unbehelmter Fahrradfahrer, die schwerste Verletzungen davontrugen, befanden sich häufig im Bereich der Schläfen und der unteren Stirn. Zum Teil liegen diese Bereiche außerhalb des unmittelbaren Prüfbereichs des aktuellen Testverfahrens.«
Ein spezielles Senioren-Risiko
Für Personen, die Blutverdünner einnehmen, stellen Verletzungen eine lebensgefährliche Bedrohung dar, da schon bei kleineren Stürzen schwere innere Blutungen auftreten können.
Viele verunglückte Pedelec-Fahrer waren vorerkrankt. Sie nahmen dreimal häufiger Antikoagulanzien ein.
Solche Blutverdünner können bei einem Kopfanprall schwerwiegende Blutungen begünstigen
Tim Lefarth, Unfallchirurg im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg3
Ein klares Argument für den Helm.
Persönliche Anmerkung: Ich fahre selbst seit vierzig Jahren mit Fahrradhelm (der erste war noch ein USA-Import) und im Auto lege ich den Sicherheitsgurt an. Ob es hilft, weiß man frühestens hinterher. Das liegt in der Natur der Sache.
Vorher sind nur statistische Aussagen möglich. Die sagen aber nichts über den individuellen Fall.

Mit dicker Hardshell. Gewicht: 460 g, gemessen: 520 g in Größe L. Ein vergleichbarer Helm wiegt heute etwa 360 g.
Hier gibt es einen Überblick (Englisch) über die ersten Fahrradhelme:
https://bikeretrogrouch.blogspot.com/2015/03/hardshell-helmets-history-through.html
Mit einem Skid-Lid II bin ich selbst herumgefahren, bis er ohne Unfall zerbrochen ist.
Dooring-Unfälle
Auch bei Dooring-Unfällen ist die Schutzwirkung des Helms begrenzt. So ein Unfall kann trotz Helm tödlich ausgehen – für den Radfahrer. Dooring-Unfälle sind nicht der häufigste Unfalltyp, haben aber oft schwere Folgen.
Zeitungen und andere Medien berichteten vielfach über den Freispruch für den beteiligten Fahrgast eines Taxis in Berlin. Bei diesem Unfall wurde im Februar 2023 ein Radfahrer getötet. Ob der Radfahrer einen Helm trug, ist unbekannt.
Über einen ähnlichen Unfall im Jahr 2018 schrieb die B.Z.:
»Der Mann fuhr auf der Kochstraße Richtung Friedrichstraße, als eine Frau, die mit ihrem Auto auf der Busspur stand, überraschend ihre Fahrertür sehr weit öffnete, wie ein Augenzeuge berichtete. Der Radfahrer, der einen Helm trug, knallte mit vollem Tempo gegen die Tür. Durch den Aufprall wurde er vom Rad geschleudert und stürzte auf die Straße.«4
Bei diesem Unfall wurde der Radfahrer nur leicht verletzt.
Die Gewerkschaft der Polizei fasst die von der Unfallforschung ermittelten Fakten so zusammen:
„Tritt ein Radfahrer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 18 und 20 Stundenkilometern in die Pedale, müsste er noch mindestens elf Meter von der sich öffnenden Fahrzeugtür entfernt sein, um noch rechtzeitig zum Stillstand kommen zu können.“ Diese benötigte Distanz zum Fahrzeug sei im realen Alltagsverkehr jedoch in den seltensten Fällen vorhanden. Ein Ausweichmanöver kommt wegen überholender Fahrzeuge oft genauso wenig in Frage.
„Daher ist es für Radfahrer nahezu unmöglich, einen Zusammenstoß mit der Fahrzeugtür zu vermeiden“, so Jörg Ortlepp, Leiter Verkehrsinfrastruktur bei der UdV.
„Im Bereich von sechs, sieben Metern vor dem Fahrzeug habe ich dann überhaupt keine Chance mehr und pralle fast ungebremst gegen die Tür.“5
Vor allem Unfälle, die im indirekten Zusammenhang mit geparkten Autos stehen, weil diese zum Beispiel die Sicht verdecken oder im Weg stehen und Fußgänger und Radfahrer zum Ausweichen zwingen, fehlen in den amtlichen Erhebungen. In innerstädtischen Gebieten waren 52 Prozent der mit parkenden Fahrzeugen zusammenhängenden Fahrrad-Unfälle der Studie zufolge auf das „Dooring“ zurückzuführen, erklärte UDV-Leiter Brockmann im Interview mit dem SPIEGEL.
Wenn bei neu angelegten Radstreifen auf der Fahrbahn nicht genügend Platz für einen Sicherheitsstreifen zu parkenden Fahrzeugen bleibt, dürfen dort eben keine Parkplätze sein.
UDV Unfallforscher Brockmann gegenüber dem SPIEGEL.6
Die Unfallforschung der Versicherer hat in umfangreichen Versuchen versucht, festzustellen, ob ein Fahrradhelm bei einer seitlichen Kollision Fahrrad gegen Auto helfen würde. Jeder Versuch ging anders aus. Der Unfallverlauf hängt von zu vielen unkalkulierbaren kleinen Einflussfaktoren ab.7 Trotzdem spricht einiges für den Helm: Er kann die Schwere der Verletzungen mindern.
Was hilft gegen Dooring-Unfälle?
Der Spiegel hat dazu einen Artikel veröffentlicht.
Das Fazit: Der ADFC empfiehlt mindestens einen Meter Abstand zu geparkten Autos, andere rechnen vor, dass es 1,20 Meter sein müssten.
»Um als Radfahrer so viel Abstand zu halten und auf Fahrbahnen entsprechend mittig zu fahren, braucht man allerdings nicht nur Platz. Sondern oft wohl auch viel Willensstärke und Mut.«8
Ergänzt wurde der Artikel durch einen Bericht über ein Pedelec-Fahrtraining.
Der Trainer mahnt die Teilnehmer:
»Lassen Sie sich hier nicht an den rechten Rand drängen!«
Je weiter man mit dem Rad an die Seite fahre, desto mehr verführe man Autofahrer zum knappen Überholen. Wer stattdessen so mittig bleibe, wie es angemessen ist, werde mit mehr Abstand überholt – oder eben gar nicht.
Sie müssen sich den Platz ein Stück weit einfordern!
sagt Trainer Reuscher.
Laut Spiegel werden Teilnehmende später sagen, dass sie diese Botschaft aus dem Kurs mit am meisten mitnehmen würden.9
Sicherheitstrennstreifen
Seit 2010 fordert die FGSV in den ERA zwischen parkenden Autos und Radfahrstreifen einen Sicherheitstrennstreifen von 0,50 m. Bei baulichen Radwegen 0,75 m. In den aktuellen Regeln sind 0,75 m Sicherheitstrennstreifen zu allen parkenden Kfz gefordert – auch ohne Radweg.
Dieser Raum gehört wohlgemerkt zum Flächenbedarf des Autoverkehrs, nicht des Radverkehrs. Jedes geparkte Auto ist also mindestens 3,50 m breit, gerne auch 4,00 m (auch Pkw dürfen – ohne Spiegel – 2,50 m breit sein).
Sicherheitstrennstreifen sind notwendig. Und das gilt nicht nur für Neuplanungen, sondern immer und überall. Aber die Kommunen kümmern sich nicht darum. Und niemand kann sie rechtlich dazu zwingen.
Dazu der Fuss e.V. am Beispiel Gehwege
Fragwürdig sind aus unserer Sicht nicht so sehr die Inhalte der FGSV-Regelwerke – sondern die Tatsache, dass lokale Verkehrsbehörden sie gerade bei Gehwegen oft ignorieren: Sie bauen sie schmaler und sie lassen das Parken und das Radfahren auf Gehwegen auch dort zu, wo es nach den Regelwerken ausgeschlossen sein sollte. Da sie kein staatliches Recht sind, kommt man dagegen juristisch kaum an. Auch Haftung droht nur selten, da nach Unfällen die Gerichte vor allem das Versagen direkter Beteiligter analysieren, aber kaum regelwidrige Infrastruktur, die zum Unfall beigetragen hat.
https://www.fuss-ev.de/alles-ueber-fussverkehr/wege-und-regeln/gesetze-regelwerke/fgsv-regelwerke/
Bestes Beispiel in Bochum: Dorstener Straße, Herner Straße und alle anderen Radialstraßen, an denen geparkt wird. Sehr oft fehlen die Sicherheitstrennstreifen ganz oder sind ungenügend ausgeführt.
- https://www.spiegel.de/auto/pedelecs-rettungsdienste-fordern-helmpflicht-a-03bd2007-5ca7-48e3-bb3d-a29f061538a2 (19.08.2025) ↩︎
- https://www.udv.de/resource/blob/78494/6ee54f533684b266168932b416547935/32-untersuchungen-zur-schutzwirkung-des-fahrradhelms-data.pdf (S. 10) ↩︎
- https://www.autobild.de/artikel/fahrradunfaelle-e-bikes-pedelecs-senioren-19379515.html ↩︎
- https://www.bz-berlin.de/archiv-artikel/radfahrer-knallt-in-mitte-gegen-ploetzlich-geoeffnete-autotuer (2018) ↩︎
- https://www.polizei-dein-partner.de/infos-fuer/senioren/detailansicht-senioren/artikel/vorsicht-vor-aufgerissenen-autotueren.html (28.06.2024) ↩︎
- https://www.spiegel.de/auto/unfallforschung-zu-parkenden-autos-die-unterschaetzte-gefahr-am-strassenrand-a-72378c62-d21c-42c1-96f1-06a7adc590a7 (2020) ↩︎
- Untersuchungen zur Schutzwirkung des Fahrradhelms Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. Forschungsbericht Nr. 32 (2014)
https://www.udv.de/resource/blob/78494/6ee54f533684b266168932b416547935/32-untersuchungen-zur-schutzwirkung-des-fahrradhelms-data.pdf ↩︎ - https://www.spiegel.de/auto/gefahr-fuer-radfahrer-so-koennen-sie-dooring-unfaelle-mit-geoeffneten-autotueren-vermeiden-a-ab499498-8409-4c2d-9001-0663649b38f4 (21.08.2025) ↩︎
- https://www.spiegel.de/auto/pedelecs-wie-ein-training-in-mainz-radfahrer-fit-fuers-e-bike-macht-a-78dee602-744c-4109-88c5-c6fb55ee1b5c (Spiegel Plus) ↩︎
Sehr gut recherchiert – viele gute sachliche Informationen- sehr gute Filme zu Aufklärung und Diskussion.
这篇文章揭示了骑车戴头盔的局限性,尤其是面对开门杀等事故时。建议保持与 parked cars 的安全距离,并呼吁改善城市道路设计,为骑车者提供更安全的通行空间。
Wenn man als Radfahrer 120cm nach rechts Abstand hält, der eigene Lenker 40cm breit ist und man dann noch nur mit 1,5 – 2m Seitenabstand überholt werden darf, ist ein Fahrrad (rechtlich betrachtet) 3,10m – 3,60m breit.
Das ist irre viel.
Wäre da ein Hochbordradweg ausserhalb der Dooringzone da nicht sinnvoller?
So wie es NL macht?