Bild: Universitätsstraße kurz vor der A43. Kein Platz für das Fahrrad.
1988 läutete das »Pilotprojekt Radwege- und Beschilderungsplan Bochum« eine verkehrspolitische Wende in Bochum ein. 1989 wurde der ADFC Bochum gegründet. 1992 beschloss die Bezirksvertretung Süd Radfahrstreifen auf der Universitätsstraße.
Das waren nach der Rolle rückwärts zur Autostadt Bochum im Jahr 1962 die ersten fahrradfreundlichen Beschlüsse in Bochum. Nur die Politik im Rat und die Verwaltung mit der Polizei leisteten hinhaltenden Widerstand – bis heute.
Der Bau der Universitätsstraße wurde im Januar 1962 begonnen, weniger als ein Jahr nach der Entscheidung, in Bochum eine Universität zu errichten. Für den Bau mussten 176 Wohnungen weichen. Die Bauarbeiten erfolgten in sechs Teilabschnitten. Die Kosten beliefen sich auf über 120 Millionen DM, wobei allein das Knotenbauwerk zum Uni-Center und den Tiefgaragen über 5 Millionen DM kostete. Im November 1972 wurde der letzte Abschnitt dem Verkehr übergeben. Völlig fertiggestellt war sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Mit einer Länge von 8.660 Metern ist die Universitätsstraße die längste Straße Bochums.1


2025 – 53 Jahre nach der Freigabe, 33 Jahre nach 1992 – hat die Universitätsstraße immer noch keine durchgehende Radwege – nicht einmal vom Südring bis zur Ausfahrt RUB West. Geschweige denn Radwege bis zur Uni Mitte, zur Hochschule Bochum oder weiter Richtung Langendreer und Dortmund.
Durchgehende Radfahrstreifen Richtung Langendreer hatte die BV Süd aber schon 1992 gefordert:
Niederschrift Nr. V/26 über die Sitzung der Bezirksvertretung für den Stadtbezirk Bochum-Süd – V – am 10. März 1992
In Abänderung der Beschlußvorlage der Verwaltung wird folgender SPD-Antrag in Einzelabstimmungen beschlossen:
Folgende Grundsatzforderungen sollen bei der Umgestaltung der Universitätsstraße beachtet werden:
1. Die Universitätsstraße soll durchgehend zwei Fahrspuren haben
Abstimmungsergebnis: Enthaltungen: – dagegen: 7 (CDU, FDP) dafür: 12 (SPD, Die Grünen)2. Tempo 50 auf ganzer Länge
Abstimmungsergebnis: Enthaltungen: – dagegen: 7 (CDU, FDP) dafür: 12 (SPD, Die Grünen)3. In der Regel sind Radfahrstreifen in ausreichender Breite anzulegen, Radwege nur als Ausnahme.
Abstimmungsergebnis: einstimmig4. Der Radfahrstreifen ist bis mindestens Uni-Mitte, nach Möglichkeit bis Langendreer fortzuführen.
Bezirksvertretung Süd, März 1992, Stadtarchiv BO 17 S / 619
Abstimmungsergebnis: Enthaltungen: 2 (CDU) dagegen: – dafür: 17 (SPD, CDU, Die Grünen, FDP)
Bemerkenswert ist hier, dass in der BV Süd neben SPD und Grünen auch die CDU sich eindeutig für Radfahrstreifen auf der ganzen Universitätsstraße bis Langendreer ausgesprochen hat.
Die Radfahrstreifen zwischen Waldring und Uni West wurden erst sieben Jahre später, am 21.8.1999 fertiggestellt. Der ADFC veranstaltete eine Fahrraddemo zum Dr.-Rur-Platz zur Einweihung.
Kurze Zeit später folgten die ersten Radfahrstreifen auf der Herner Straße.
Im Unterschied zur Universitätsstraße hat die Herner Straße heute aber durchgehende Radwege auf der ganzen Länge.
Der Beschluss der BV Süd ist bis heute nicht umgesetzt. Nicht einmal zwischen Südring und Waldring gibt es durchgehende Radwege.


Zusätzlich hat die Verwaltung auf der Universitätsstraße vorgeführt, dass sie nicht in der Lage ist, geschützte Radfahrstreifen (Protected Bike Lanes) so zu bauen, dass Radfahrer dadurch nicht gefährdet werden. Dabei wäre es so einfach gewesen.
Der entscheidende Punkt in dem Projekt Radfahrstreifen auf der Universitätsstraße ist die A43.
Der Knotenpunkt Universitätsstraße / A43 ist gnadenlos für den Kfz-Verkehr optimiert. Schwerverkehr mit Lkw gibt es hier so gut wie gar nicht. Trotzdem stehen Autoverkehr hier exklusiv bis zu vier Fahrstreifen in einer Richtung zur Verfügung.

Demgegenüber gibt es für den Radverkehr hier rein gar nichts. Diese Kreuzung ist wahrscheinlich die fahrradfeindlichste Kreuzung in ganz Bochum überhaupt. Niemand traut sich, dort Rad zu fahren.
Wenn die Universitätsstraße fahrradfreundlich werden soll – was selbstverständlich geschehen muss – dann muss hier der erste Schritt getan werden.
Aber die Stadt Bochum hat an der Wittener Straße gerade gezeigt, dass sie um keinen Preis durchgehende Radfahrstreifen dulden wird. Lieber plant man eine unsäglich schlechte Radverkehrsführung im Bereich Ümminger See, als das Tabu des Radfahrverbots im Bereich A43 in den in Frage zu stellen. Fahrradfreundlich geht anders.
An den Autobahnen entscheidet sich, ob Bochum fahrradfreundlich ist.
Siehe hier auf bovelo:
Die gefährlichsten Kreuzungen in Bochum
Einfach nur geradeaus fahren
Der »Radschnellweg Universitätsstraße«
Die RUB und das Fahrrad – eine unendliche Geschichte
Peter M. Bode: Ich war in Bochum.
Wie Bochum mit »Protected Bike Lanes« Unfälle verursacht
Vor 25 Jahren: Das (geplante) Radverkehrsnetz der Stadt Bochum
Wittener Straße – Von völlig falsch zu »Gegen alle Regeln«
The article effectively highlights the urgent need for safer cycling infrastructure in Bochum, particularly on the Universitätsstraße. Its frustrating to see such clear calls for action go unheeded for decades, turning a major street into a hazard for cyclists. The authors passion for cycling safety is palpable and inspiring.