Bild: Wittener Straße – Für Fußgänger und Radfahrer verboten
Wie kann man die abstruse Radwegplanung der Stadt Bochum im Bereich Ümminger See erklären?
Durch die A44.

Schon im Pilotprojekt von 1988 hatte die Stadt Bochum die Wittener Straße sorgfältig aus dem langfristigen Idealnetz ausgeklammert.
Das hat Folgen bis heute und für morgen.
Auf keinen Fall soll die Wittener Straße durchgehend mit dem Rad befahrbar sein – obwohl die Wittener Straße im Bereich Laer/Mark 51°7 ausdrücklich als Stadtstraße – also fahrradfreundlich – ausgebaut wird.
Im Gegensatz zu 1988 hat Bochum im Jahr 2025 einen durchgehenden Autobahnring aus A40, A43 und A448. Die Wittener Straße wird von gleich zwei Autobahnen gerahmt: A40 und A448. Trotzdem soll Fahrradverkehr auf dieser Stadtstraße zwischen Zentrum und Langendreer weiterhin verboten bleiben.
Dafür nimmt die Stadt Bochum irrsinnige Klimmzüge in Kauf.
Die verbotene Straße: Wittener Straße / A448 Richtung Bochum

Radfahrer und Fußgänger kennen diese Stelle nicht, außer sie fahren mit dem Auto. Was man sieht:
Der zweite Fahrstreifen der Wittener Straße wird gar nicht gebraucht.
Der zweite Fahrstreifen beginnt erst an der Ümminger Straße, vorher hat die Unterstraße nur einen Fahrstreifen pro Richtung und seit dem Umbau auch noch die Straßenbahn auf der Fahrbahn. Zwischen Ümminger Straße und Alte Wittener Straße soll der zweite Fahrstreifen auf jeden Fall verschwinden. Es bleibt dann ein Fahrstreifen von nicht einmal 500 Metern Länge. Wofür eigentlich?
Von rechts kommt die Ausfahrt der jetzigen A448. Vor dem Bau der Querspange war das die einzige Verbindung vom Autobahnkreuz Bochum/Witten nach Bochum. Von der A44 aus war der Städtering (NS7) nur über die Wittener Straße erreichbar. Ein Nadelöhr. Also wurde die Verkehrsführung rigoros für den Kfz-Verkehr optimiert und eine direkte Verbindung von der A44 bis zum Sheffieldring geschaffen. Der Preis dafür war das Verbot für Fußgänger und Radfahrer auf der Wittener Straße Richtung Bochum.
Mit der Querspnage (A448) hat sich die Situation grundlegend geändert. Das Autobahnkreuz Bochum/Witten ist jetzt über die A448 direkt mit dem ehemaligen Sheffieldring verbunden, der im gleichen Zug zur Autobahn ausgebaut wurde. Die A448, Verlängerung der A44, führt jetzt bis zum Autobahndreieck Bochum West und trifft dort auf die A40. Auch das ehemalige Gelände des Opel Werk 1, jetzt Mark 51°7 ist über den Tsukuba-Ring (ehemals Opel-Ring) direkt an die Autobahn angebunden. Es gibt also schon von der A45 und natürlich von der A43 aus zwei durchgehende Autobahnen Richtung Bochum und Essen. Eine im Süden, eine im Norden.

Die Wittener Straße hat den Löwenanteil ihrer Verkehrsfunktion an dieser Stelle verloren. Wie man leicht erkennen kann, hat die Wittener Straße mehr als genug Platz für den Radverkehr. Dass am Ende einer Autobahnausfahrt eine Ampel steht, ist auch nicht ungewöhnlich – nicht einmal in Bochum. Die Stadt Bochum hat zuletzt die Ausfahrt von der A40 auf die Herner Straße mit einer Ampel versehen, um den Radverkehr auf der Herner Straße vor fahrlässigen Autofahrern zu schützen. Die Situation ist direkt mit der Situation auf der Wittener Straße vergleichbar. Warum sollte an der Wittener Straße unmöglich sein, was an der Herner Straße so einfach war?

In der Gegenrichtung gibt es auf der Wittener Straße ebenfalls ein Verbot für Radfahrer und Fußgänger. Das Verbot für den Radverkehr kam aber erst viel später, im Jahr 2013. Bis dahin durfte man mit dem Fahrrad auf der Wittener Straße nach Langendreer fahren, direkt an der Ausfahrt zur A44 vorbei. Es gab keine Unfälle – trotz Tempo 70. Durch das Radfahrverbot wurde das völlig ungesicherte Linksabbiegen in die Alte Wittener Straße erzwungen. Das ist bis heute so. Und keineswegs ungefährlich.
Kurios: Fußgängerverbot am Parkstreifen
Ebenfalls im April 2013 gab es im Bereich Laer ein besonders eigenartiges Fußgängerverbot.

Mit dieser Beschilderung war das Parken auf dem ehemaligen Mehrzweckstreifen erlaubt, das Aussteigen aber nicht. Es gibt dort ja keinen Gehweg.
Bis heute dürfen Radfahrer dort auf der Wittener Straße fahren, aber eben nicht auf dem Parkstreifen. Sie müssen die Fahrbahn benutzen.
Solange der jetzige Parkstreifen ein Mehrzweckstreifen war, durfte man dort Rad fahren. Das änderte sich erst, als Hardeck ein neues Parkhaus bauen wollte. Auch nachdem die Bauarbeiten längst abgeschlossen waren, bleib der Mehrzweckstreifen ein Parkstreifen – bis heute.
Ändern wird sich das erst mit dem gerade begonnenen Umbau der Wittener Straße zur »Stadtstraße«.
Dann erst gibt es dort einen Radweg. Und damit neue Lücken im Radverkehrsnetz: Aus einer großen Lücke werden mehrere kleine. Das nennt sich dann wohl »Lückenschluss« und steht seit Jahrzehnten im Programm der Stadt Bochum.
Autostadt Bochum eben – im Jahr 2025. Die Autoproduktion in Bochum endete vor elf Jahren.
Die einzig logische Konsequenz: Die Wittener Straße muss Stadtstraße sein. Mit durchgehenden Radwegen und fahrradfreundlich von A bis Z. Ganz ohne Lücken.