Bild: Radfahrstreifen Dorstener Straße (2024)
Früher war »Parke nicht auf unseren Wegen« das Hauptthema der Auseinandersetzungen zwischen Autofahrern und Radfahrern. Heute hat sich der Schwerpunkt verlagert.

Sicherheitsabstände sind die Knautschzonen der Radfahrer
Heute geht es immer mehr um mehr Abstand. Das ist richtig so, denn ausreichende Abstände sind essentiell für Verkehrssicherheit.
Radfahrer können drei Abstände mehr oder weniger gut selbst kontrollieren: Nach vorne, nach links und nach rechts. Auf den Abstand nach hinten haben sie dagegen keinen Einfluss. Dafür gibt es technische Hilfsmittel, die vom Rückspiegel bis zum Abstandsradar reichen. Aber der Abstand selbst wird vom Autofahrer gemacht. Das gleiche gilt für den Abstand nach links, den Radfahrer nur indirekt beeinflussen können. Mittlerweile gibt es einen vorgeschriebenen Überholabstand (innerorts 1,50 m, außerorts 2,00 m) – aber wie kann man den erzwingen?

Bochum hat sich sogar schon einmal an der AGFS-Kampagne »Liebe braucht Abstand« beteiligt1.
Busse und Straßenbahnen wurden mit dem Slogan verschönert. Dumm nur, dass Berufskraftfahrer der Bogestra immer wieder Radfahrer mit völlig ungenügendem Abstand überholen – auch mit Gelenkbussen und Straßenbahnen. Erleben kann man das auf der Hans-Böckler-Straße bergauf am Rathaus oder auf der Dorstener Straße zwischen Innenstadt und A40.

Linksabbiegen
Beide Probleme kommen zusammen, wenn es um das Linksabbiegen geht.
Links abbiegen geht nur mit ausreichenden Sicherheitsräumen nach links und nach hinten. Wenn alle Fahrzeuge sich hintereinander befinden, ist das Problem auf der linken Seite gelöst. Aber Radwege – sei es baulich oder als Radfahrstreifen realisiert – bringen den Radverkehr in eine Position neben dem Autoverkehr. Und schon wird Linksabbiegen schwierig.
In den Jahren 1926 bis 1928 wurden Forderungen lauter, Radfahrer vom Fahrdamm zu verbannen und sie auf Radwege zu leiten. Das erste umfassendes Buch zum Thema Radfahrwegebau stammt aus dem Jahr 1926.
Noch 2010 ist die SGSV davon ausgegangen, dass Radfahrer keinen Sicherheitsabstand brauchen. Ein mit Markierung 1,85 m breiter Radfahrstreifen sollte ausreichend bemessen sein, um gefahrloses Überholen von Radfahrern untereinander zu ermöglichen. Netto (ohne Markierung) ist so ein Radfahrstreifen auch im günstigsten Fall nur 1,60 m breit.
Im günstigsten Fall deshalb, weil sich am rechten Fahrbahnrand neben parkenden Kfz auch noch Gullydeckel und Gossen befinden können. Da heißt es: Abstand halten.
Wie soll da sicheres Überholen möglich sein?
FGSV: 0,75 m Abstand zu parkenden Kfz. Immer.
Wenn man die Entwicklungen in den Regelwerken der FGSV seit 2010 betrachtet, wird eins unübersehbar: Die geforderten Abstände werden immer größer.
Nicht nur Radfahrstreifen und bauliche Radwege müssen heute breiter sein,, sondern auch der Abstand zu parkenden Kfz muss heute in jedem Fall mindestens 0,75 m betragen, sogar dann, wenn es gar keinen Radweg gibt. Dazu kommt der Überholabstand.
Parken auf der Fahrbahn ist ein Anachronismus
Und schon haben wir ein Problem mit dem verfügbaren Raum auf der Straße.
Die Lösung liegt auf der Hand: Parken auf der Fahrbahn ist ein Anachronismus. Erlaubt war das immer nur unter der Voraussetzung, dass der rollende Verkehr nicht durch den ruhenden Verkehr behindert oder gefährdet wird. Das Parken auf der Fahrbahn lässt sich zurückführen auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 1969. Das hatte festgestellt:
Ein nicht gemeinverträgliches Dauerparken ist nicht straßenrechtlich, sondern straßenverkehrsrechtlich nach den § 1 und 16 StVO unzulässig.2
Der Grundsatz: Der fließende Verkehr hat Vorrang vor dem ruhenden Verkehr. Wenn Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer den Raum bekommen, den sie benötigen, wenn sie unterwegs sind, bleibt auf der Straße kein Raum für den ruhenden Kfz-Verkehr – erst recht nicht auf der Fahr-Bahn.
Die FGSV hat das Problem erkannt. Es hat lange genug gedauert, bis die Fachleute in den Kopf bekommen hatten, dass »der Verkehr« eben nicht nur Autos sind.
Was war den zuerst da: Auto oder Fahrrad? Fahrräder waren schon Fahrzeuge als es Autos noch gar nicht gab. Die ersten Autos (Daimler und Benz) wurden aus Kutschen und Fahrrädern entwickelt.
Schon für das Jahr 2020 hatte die FGSV eine neue Ausgabe der ERA und RASt angekündigt. Alle Regelwerke sollten nach neuen, einheitlichen Standards neu gefasst werden und die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigen. Jetzt ist 2026 und es gibt noch kein einziges neues Regelwerk. Die FGSV wirkt überfordert.
Dabei waren die ERA 2010 schon bei Erscheinen veraltet.
Mittlerweile gilt es sogar als Fortschritt, wenn Radwege verschwinden. An die Stelle der Radwege tritt dann Tempo 20 und mehr Raum für Bäume, Bänke und Fußgänger.
Beispiel: München, Maxvorstadt
Der Radweg kommt weg, dafür gilt Tempo 20. Mehr Platz für die Fußgänger und Bäume, weniger Platz für Autos. Zwischen Gabelsbergerstraße und Theresienstraße bekommt die Augustenstraße mehr Platz für Fußgänger. Auch mehr Grün, mehr Freischankflächen und Sitzmöbel soll es geben. Dafür müssen die Radfahrer, für die es heute einen schmalen Radweg neben dem Fußweg gibt, zukünftig auf der Straße fahren. In der Mitte der Straße wird ein Baum gepflanzt.3
In Bochum ist das in der Umsetzung befindliche Projekt Radkreuz das beste Beispiel dafür. Die Radwege auf der Herner Straße stammen von 1990, Jetzt sollen sie innerhalb des Innenrings wieder verschwinden.
Aus dem Nebeneinander von Rad- und Autoverkehr wird dann ein Hintereinander. Für Autofahrer ohne Möglichkeit zum Überholen. Zustände wie auf einer Fahrradstraße, wo das Nebeneinanderfahren von Radfahrern immer erlaubt ist.
Autofahrer müssen hinterherfahren. Dann haben sie Zeit zum Nachdenken, ob Rad fahren nicht vielleicht doch die bessere Idee wäre.
Besser Rad fahren!
(Aus der Serie: Gute Vorsätze für das nächste Jahr – hier also 2027.)
Weg.li ist ne prima App..leider ohne jede Rückmeldung seitens der Verwaltung, ob es auch zur Anzeige kam.
Da ist noch Verbesserungebedarf.
Alleine die Tatsache, dass man diese Täter fotografiert, sorgt immer wieder für Aufregung.
Davon darf man sich nicht beirren lassen!
Bzgl. der Falschparkerproblematik habe ich die Stadt gefragt, ob sie weg.li Anzeigen bearbeitet: Ja, tut sie
Dann habe ich auf reddit.com im Unterforum r/bochum einen Thread aufgemacht. Es hat mich positiv überrascht, dass dort nahezu ausschliesslich von Falschparkern genervte Leute waren.
Ich hatte irgendwie befürchtet, auf die „Alles-ist-Parkplatz, man-muss-es-nur-wollen“ Fraktion zu treffen.
@Klaus Ich habe die Leute dort auch auf deinen Blog aufmerksam gemacht.
Nutzt Weg.li, Leute!
Nutzt es!
Wenn hier eine niedrige zweistellige Zahl an Leuten weg.li aktiv nutzt, kann das Bochum spürbar verbessern.
Auch die Stadt sollte aufwachen, wenn plötzlich pro Tag Dutzende weg.li Anzeigen eintrudeln.
Ich mache aktuell eine weg.li Anzeige pro Tag.
Nutzt weg.li!