Bild: Innenring, innere Fahrbahn, vor der Viktoriastraße: Vier Fahrstreifen, nur für den Autoverkehr.
Parken am Fahrbahnrand. Ein Horror für den Radverkehr. Insgesamt hat die Kreuzung einundzwanzig Fahrstreifen – genau wie an der Wittener Straße.
Seit Jahren laboriert die Verwaltung an einer Planung für Radwege auf dem Südring. Die vorhandenen Radwege wurden 1962 abgeschafft.
Noch 1993 hatte die Stadt Bochum auf Anfrage mitgeteilt, dass bei der Neugestaltung des Westrings bewusst keine Radwege eingeplant wurden:
Der Raum [soll] dem Auto vorbehalten bleiben.
FahrRad 1993-1 (ADFC Dortmund), Seite 18.
Dasselbe galt auch für die Neugestaltung des Ostrings. Auch so kann man den Begriff »Vorbehaltsstraße« umdeuten: Als Straße, die dem motorisierten Verkehr vorbehalten werden soll. Das hat in Bochum Tradition.
Notwendig sind Radwege am Innenstadtring insbesondere am Südring, weil die Universitätsstraße keine andere Anbindung an das Radkreuz hat. Dasselbe gilt auch am Ostring für das neue Justizviertel am Nordbahnhof. Selbst wenn die Springorum-Trasse bis dorthin verlängert würde, hätte sie immer noch keine Anbindung an das Radkreuz.
Ein eigenes Gutachten der Stadt Bochum hat herausgestellt:
Der Innenstadtring ist für die Erschließung der Innenstadt durch den motorisierten Individualverkehr überdimensioniert. … Mit einer Begrenzung des MIV auf die notwendigen Quell- und Zielverkehre ergeben sich für den Ring völlig neue Perspektiven. … Die Funktion der Ringstraße als Durchgangsstraße müsste aufgegeben werden. … Die Innenstadt Bochums könnte somit Wohnzimmer Bochums werden.
Besser wohnen in der Innenstadt – Gesamtkonzept Neue Heimaten (März 2025)1
Und weiter: »Die durch den Ring entstehende Luftverschmutzung und Lärmemissionen beeinträchtigen die Lebensqualität in der Bochumer Innenstadt in hohem Maße. Eine Verkehrsberuhigung, Fahrspurreduzierung und Begrünung des Innenstadtrings sind unabdingbar, um den Ring als Wohnstandort zu stärken.« (Besser wohnen in der Innenstadt, Seite 36).
Die Stadtgestalter haben schon 2017 einen Vorschlag zur Neugestaltung des Innenrings gemacht:
»Die Idee sieht vor, die Umfahrung des Rings auf eine Fahrtrichtung (gegen den Uhrzeigersinn) zu beschränken. Auf den äußeren Spuren des Rings würde dann der Kfz-Verkehr fließen, auf den Inneren könnte ein Zweirichtungsradweg angelegt werden, sowie eine Fahrspur für Anwohner und Anlieferverkehr.« Nach ihren Berechnungen wird die Kapazität der jetzt vier Spuren aufgrund der komplexen Ampelschaltungen erschreckend schlecht ausgenutzt.2
Die Kreuzungen am Südring haben an Viktoriastraße und Wittener Straße nur für den Autoverkehr bis zu einundzwanzig Fahrstreifen.
Die Bogestra hat allerdings erklärt, der Südring müsse für den ÖPNV in beiden Richtungen befahrbar bleiben. Denkbar sind mehrere Lösungen: Protected Bike Lanes, Radfahrstreifen, Umweltspuren und Tempo 30. Protected Bike Lanes vertragen sich nicht mit Bushaltestellen, Parkstreifen und Lieferverkehr. Auf Umweltspuren könnten Busse Radfahrer nicht überholen – sie dürfen die Umweltspur nicht verlassen. Und das Linksabbiegen bliebe für Radfahrer problematisch, genauso wie parkende Fahrzeuge am Fahrbahnrand. Autofahrer müssten zum Ein- und Ausparken den Radfahrstreifen bzw. die Umweltspur queren. Lieferverkehr würde gerne auch mal den Weg blockieren. Tempo 30 geht nicht: Der gesamte Innenring ist eine Bundesstraße (B226) und gehört deshalb zum Vorbehaltsnetz.

Fahrradstraße statt Radfahrstreifen oder Umweltspur
Eine Variante allerdings hat noch niemand geprüft:
Eine Fahrbahn des Innenrings könnte Einbahnstraße und die andere Fahrradstraße sein. Dann würde er Innenring auf der äußeren Fahrbahn für den motorisierten Verkehr wie ein übergroßer Kreisverkehr funktionieren, ganz ohne Linksabbiegen.
Auf der inneren Fahrbahn könnte der Radverkehr auf breiten Fahrstreifen ungehindert in beiden Richtungen fahren.
Die wichtigsten Regeln für Fahrradstraßen4:
- Anderer Fahrzeugverkehr darf Fahrradstraßen nicht benutzen, es sei denn, dies ist durch Zusatzzeichen erlaubt.
- Es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h.
- Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, muss der Kraftfahrzeugverkehr die Geschwindigkeit weiter verringern.
- Das Nebeneinanderfahren mit Fahrrädern ist immer erlaubt.
Fahrradstraßen erfordern laut Leitfaden der AGFS eine Fahrbahnbreite von mindestens 4,00 m. Wenn Linienverkehr (Busse) zugelassen wird, mindestens 5,00 m. Zu parkenden Kfz am Fahrbahnrand ist ein Sicherheitstrennstreifen von 0,75 m Breite erforderlich.5
Auf dem Innenring würde ÖPNV und anderer Kfz-Verkehr nur gegenläufig zur äußeren Fahrbahn zugelassen. Anliefer- und Anliegerverkehr nur abschnittsweise bis zur nächsten Radialstraße.
Außerdem gilt automatisch Tempo 30.
Die Tiefgaragen in der Innenstadt wären von den Radialstraßen aus geradeaus direkt erreichbar und könnten genauso auch wieder verlassen werden.
Mit der inneren Fahrbahn des Innenstadtrings als Fahrradstraße ließen sich alle Probleme auf einmal adressieren und das mit einem vergleichsweise geringen baulichen Aufwand.
Dazu kommt: Die Stadt Bochum will die Viktoriastraße am Husemannplatz verschwinden lassen. Wenn das Radkreuz aber durch die Fußgängerzone am Husemannplatz lahmgelegt wird, muss eben der Innenring den Radverkehr aufnehmen.
Sollen die Autofahrer doch ihren Stau unter sich ausmachen.
Nebenbei würde für den Radverkehr auch die Erreichbarkeit der Innenstadt bei Sperrungen im Bereich Südring und Viktoriastraße erleichtert, wie etwa beim Bochum Total: Über Humboldtstraße und Rottstraße kann man leicht eine Umfahrung ermöglichen.
Die Achse über die Rottstraße ist die schnellste und einfachste Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Westpark.
Viele Städte agieren zur Reduktion der Durchgangsverkehre in ihren Innenstädten mit einem Sektorenmodell. So garantieren sie, dass die Innenstadt auch mit dem motorisierten Individualverkehr (MIV) aus allen Richtungen erreichbar bleibt, aber Durchgangsverkehre unterbunden werden. Die Ausgangslage für die Implementierung eines solchen Sektorenmodells ist in Bochum gut.
Besser wohnen in der Innenstadt – Gesamtkonzept Neue Heimaten (März 2025)
Schließlich hat Bochum einen zweiten Straßenring:
»Bochum besitzt einen geschlossenen Autobahnring, über den der Verkehr um die Stadt herumfließen kann und der die äußeren Bezirke hochwertig erschließt, da vielmals auf den Autobahnring außerhalb der Stadt ausgewichen werden kann.«
- https://bochum.ratsinfomanagement.net/vorgang/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZVLBxEuQKhwQ5LP4u6Y97xo ↩︎
- https://die-stadtgestalter.de/2017/09/02/neuplanung-des-innenstadtrings-schneller-fahrtzeiten-und-radweg/ ↩︎
- https://www.openstreetmap.org/#map=16/51.48216/7.21939&layers=T
↩︎ - https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrradstra%C3%9Fe#Deutschland ↩︎
- https://www.agfs-nrw.de/fileadmin/Mediathek/AGFS-Broschueren/Loseblattsammlung_Fahrradstrassen_RZ_Einzel_01.pdf ↩︎