Verkehrswende in Bochum – andersherum

Veloroute #1, Moritzstraße (Riemke): Alle Autos sind falsch geparkt.

Bild: Moritzstraße in Riemke. Teil der Veloroute #1: Alle Autos sind hier falsch geparkt.
Müssen diese »Parkplätze« auf dem Gehweg erhalten bleiben?

Peter Reinirkens, Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat:

„Wir sind an einem Punkt in der Verkehrspolitik angelangt, der ein Umdenken erfordert. Natürlich erfordert der Klimawandel auch einen Wandel in der Mobilität. Das Auto ist in Bochum noch Verkehrsmittel Nummer 1. Das möchten wir auf lange Sicht ändern, aber nicht durch Verbote und Gängelung. Der Parkdruck in den Quartieren ist bereits hoch genug und der daraus resultierende Parksuchverkehr ist mit Sicherheit keine Antwort auf den Klimawandel. Daher kämpfen wir unter anderem gegen das weitere drastische Streichen von Parkplätzen“.1

Sebastian Pewny, Grünen-Fraktionschef:

Nachdem in den vergangenen fünf Jahren der Ausbau des Radwegenetzes im Fokus gestanden habe, was den Bochumerinnen und Bochumern und auch dem Koalitionspartner viel abverlangt habe, soll nun vor allem der öffentliche Nahverkehr weiter entwickelt werden.2

Laut CDU-Urgestein Roland Mitschke ist »der Radwege-Ausbau in Bochum ein Skandal«3.
Und damit meint er nicht, dass es zu wenige Radwege gibt.

Wie sehr der der Ausbau des Radwegenetzes im Fokus gestanden hat, kann man daran erkennen, dass Bochum nach sechzig Jahren genau eine Straße mir durchgehenden Radwegen hat.
Auf den meisten Radialstraßen parken immer noch die Autos auf den Radwegen, die man 1962 zu Parkflächen umdeklariert hat. Genauso auch auf dem Südring.

Die Position der SPD und der Grünen bedeutet, dass sich die Stadt Bochum endgültig von ihrem gerade mal zwei Jahre alten Radverkehrskonzept verabschiedet. Die Diskussion um »das drastische Streichen von Parkplätzen« entzündete sich nämlich vor allem an der geplanten und jetzt im Bau befindlichen Veloroute #1 vom Radkreuz nach Riemke. Wenn Fahrradstraßen eingerichtet werden sollen, muss das Parken auf der Fahrbahn mangels Straßenbreite in aller Regel eingeschränkt werden. Nicht nur bei der Veloroute #1, sondern auch bei der geplanten Veloroute #2 nach Langendreer oder der momentan noch utopischen Veloroute #3. Radfahrende sollen auf Velorouten »entspannt nebeneinander« fahren können« verlangt das Radverkehrskonzept.

Das Radverkehrskonzept verlangt für Velorouten auch deshalb definitiv die Trennung von Fußgänger- und Fahrradverkehr. Das schließt die Nutzung von Bahntrassenwegen für Velorouten aus. Trotzdem plant die Stadt Bochum Velorouten auf Bahntrassenwegen und torpediert damit ihr eigenes Konzept.

Genauso torpediert die Stadt Bochum ihre grandiose Radkreuz-Idee, indem sie den Radverkehr zwangsweise durch Fußgängerzonen schickt. Bestes Beispiel: Die Viktoriastraße am Husemannplatz.
Ohne Viktoriastraße gibt es kein Radkreuz. Ja, es ist ein Kreuz mit dem Radverkehr.

Velorouten ohne Fahrradstraßen und ohne Bahntrassenwege sind aber zwangsläufig Velorouten auf Hauptverkehrsstraßen – und genau da sollen die Velorouten gemäß Radverkehrskonzept nicht verlaufen.

Dabei gibt es in Bochum Beispiele dafür, wie es geht:

  • Der Radfahrstreifen auf dem Harpener Hellweg
  • Die Veloroute 11 auf der Essener Straße und dem Wattenscheider Hellweg.

Das ist die Veloroute, von der niemand spricht.

Dürfen wir uns jetzt auf eine große Koalition aus SPD, Grünen, CDU und AfD freuen?
Verkehrspolitisch scheint die Einigkeit ja schon hergestellt.

Das Radverkehrskonzept liegt am Boden und wird mit Füßen getreten.

  1. https://www.spd-bochum.de/2025/10/30/spd-im-rat-waehlt-fraktionsvorstand-peter-reinirkens-an-der-spitze/ ↩︎
  2. https://www.waz.de/lokales/bochum/article410276125/spd-und-gruene-in-bochum-bilden-koalition-ohne-eigene-mehrheit.html (WAZ plus) ↩︎
  3. https://www.waz.de/lokales/bochum/article410386335/mitschke.html (WAZ plus) ↩︎

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