Polizei macht Dooring-Unfall zum Alkoholunfall

Unfallort Essener Straße 4 (16.04.2026)

Bild: Die Unfallstelle Essener Straße 4 am 16.04.2026.

Radfahrer werden hier vom Autoverkehr in die Zange genommen.

Zwischen Parkstreifen rechts und Sperrfläche links ist nicht genug Platz für Auto- und Fahrradverkehr. Wer hier sicher mit dem Rad unterwegs sein will, müsste »mitten auf der Straße« fahren: Ein Meter Abstand zu den parkenden Pkw, ein Meter zum fahren, eineinhalb Meter Überholabstand. Da bleiben keine zwei Meter zum Überholen übrig. Aber welcher Radfahrer traut sich das?

Verkehrsunfall: Alkoholisierter Radfahrer (54) wird schwer verletzt

Nach einem Verkehrsunfall am Mittwochnachmittag, 15. April ist ein 54-jähriger Radfahrer schwer verletzt worden.

Der 54-jährige Bochumer fuhr mit seinem Fahrrad auf der Essener Straße von Bochum in Richtung Wattenscheid. Nach bisherigen Erkenntnissen kollidierte er in Höhe der Hausnummer 4 mit der offenen Autotür eines auf dem Parkstreifen geparkten PKW und zog sich infolgedessen schwere Verletzungen zu. Ein durchgeführter Alkoholtest ergab einen Wert von 0,92 Promille.

Eine Rettungswagenbesatzung brachte den Radfahrer zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Das Verkehrskommissariat hat die Ermittlungen aufgenommen.1

Dass die Autotür neben dem Radfahrer gar nicht geöffnet sein durfte, erwähnt die Polizei mit keinem Wort.

Essener Straße 4 im April 2024: Absolutes Halteverbot.
Essener Straße 4: Parkzone statt Halteverbot.
Essener Straße 4 im Juli 2024: Parkzone statt Halteverbot. Kein Sicherheitstrennstreifen.
Essener Straße, Goldhamme
Essener Straße, Goldhamme mit Fahrbahnverschwenkung und Sperrflächen.
Alleestraße: Geänderte Verkehrsführung zu Lasten des Radverkehrs.
Alleestraße: Geänderte Verkehrsführung zu Lasten des Radverkehrs.

Ich beobachte die Situation an genau dieser Stelle (Essener Straße 4) schon seit geraumer Zeit.
Ursprünglich hatte die Essener Straße hier vier Fahrstreifen. Dann wurde der rechte Fahrstreifen Richtung Essen aufgelöst und zum Parkstreifen gemacht. Aber nicht vor Haus Nummer 4. Dort galt trotzdem ein absolutes Halteverbot, das permanent missachtet wurde. Dann hat die Stadt Bochum die Verkehrsführung an der Großkreuzung mit Wattenscheider und Kohlenstraße geändert.
Jetzt gibt es dort zwei Linksabbiegespuren Richtung A448 und nur noch einen Fahrstreifen Richtung Essen. Und aus dem Halteverbot vor Haus Nummer 4 wurde ein Parkstreifen. Selbstverständlich ohne Sicherheitstrennstreifen.
Aus Sicht des Radverkehrs hat sich dadurch die Situation drastisch verschlechtert. Schon auf der Alleestraße müssen Radfahrer, wenn sie einfach nur geradeaus fahren wollen, mitten im Verkehr vom rechten auf den linken Fahrstreifen wechseln.
Der rechte Fahrstreifen wird unvermittelt zum Rechtsabbiegestreifen.
Sehr oft ist das auf der Alleestraße gar nicht rechtzeitig erkennbar, weil die Richtungspfeile auf der Fahrbahn von Autos verdeckt sind, die an der roten Ampel warten müssen.
Diese Situation haben die ERA schon 2010 als absolutes NoGo eingestuft. Bochum gestaltet 15 Jahre später eine Kreuzung so um, dass diese Situation neu entsteht.

Geradeaus geht es vom linken Fahrstreifen der Alleestraße aus nur in Schlangenlinien. Radfahrer werden zwischen den Autos regelrecht eingeklemmt.

Das Ergebnis ist eine durch und durch fahrradfeindliche Situation, die auf der Alleestraße beginnt, sich durch Hamme zieht und erst mit dem neuen Radfahrstreifen der Veloroute 11 hinter der Goldhammer Straße endet. Der Weg von der Alleestraße bis dahin ähnelt einem Spießrutenlauf.

Das wurde dem Radfahrer am 15. April zum Verhängnis.
Alkohol hin oder her: Radfahrer haben bei Dooring-Unfällen auch stocknüchtern keine Chance.

Für den Unfall am 15.4. gibt es zwei Ursachen:
1. Eine verkehrsgefährdende Verkehrsführung. Dafür ist die Stadt Bochum verantwortlich.
2. Ein Autofahrer, der eine Tür öffnet, obwohl sich ein Radfahrer neben dem Auto befindet. Das ist allein seine Verantwortung.

Die Folgerungen:

1. Die Veloroute 11 muss auf der Alleestraße beginnen und an der Stadtgrenze Essen enden.
2. Neben parkenden Autos muss immer ein Sicherheitstrennstreifen vorhanden sein. Das verlangt die FGSV.

Bis dahin muss von der Alleestraße bis zum Beginn des Radfahrstreifens ein Überholverbot gelten.
Zeichen 277.1: »Verbot des Überholens von
einspurigen Fahrzeugen für mehrspurige Kraftfahrzeuge und Krafträder mit Beiwagen«2

Rückblick

Die Radverkehrssituation in diesem Bereich war schon im Jahr 2009 ein wichtiges Thema bei der ersten und einzigen Rad-Verkehrsschau auf Initiative und mit Beteiligung des ADFC Bochum. 2011 und 2012 war die Verschlechterung der Situation Gegenstand zweier Anregungen an die Stadt Bochum.

Anträge von 2011/2012:
https://bovelo.de/wp-content/uploads/2026/04/Antrag-Alleestrasse-Essener-Strasse-20111121.pdf
https://bovelo.de/wp-content/uploads/2025/01/GO24-Alleestrasse-Wattenscheider-Kohlenstrasse-20120209.pdf

Der zweite Antrag wurde im damaligen Beschwerdeausschuss behandelt und hat mir die erbitterte Feindschaft der damaligen Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz eingebracht. Es war von Unterstellungen und Verleumdungen die Rede, die WAZ warf mir Beleidigungen vor. Nur: Wo ist davon in dem Antrag etwas zu sehen?
In 17 Jahren (2009 bis 2026) hat die Stadt Bochum in diesem Bereich nichts verbessert, nur drastisch verschlechtert. Und das Ganze ganz ohne Vollausbau.

Ist das das fahrradfreundliche Bochum?

Ich habe zur Veloroute 11 von Anfang an gesagt:

Das Problem ist nicht das, was da ist, sondern das, was nicht da ist.

  1. https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11530/6256318 ↩︎
  2. Bild: https://commons.wikimedia.org ↩︎

4 Antworten auf „Polizei macht Dooring-Unfall zum Alkoholunfall“

  1. Noch ein neuer Beitrag der Polizei Bo,
    den ich bedenklich finde.

    Kind(7) läuft auf Straße und wird von 90jährigem PKW Lenker erfasst.

    Fazit der Polizei: Der 90 jährige hat eine Gefahrenbremsung gemacht.
    Kind ist schuld.

    Ich wage schon sehr zu bezweifeln, dass ein 90 jähriger in der Lage ist, eine blitzschnelle Gefahrenbremsung durchzuführen.
    Gleichzeitig wissen Eltern:
    Kinder laufen nunmal (leider) unüberlegt auf die Straße.
    ~150 in Bochum angefahrene Kinder reichen 2025 wohl nicht aus.

    Der Artikel hat für mich wieder mal ein Geschmäckle von „Also der Autofahrer kann nichts dafür.“

    https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11530/6253585

  2. Ich kenne die Stelle sehr gut und würde da niemals freiwillig mit dem Rad fahren!
    Im Berufsverkehr ( oder auch sonst schon mal ), stehen die aus der Kohlenstr von Richtung LIDL kommenden Autos mitten auf der Kreuzung und alles ist blockiert.
    Ein Unfall ist hier quasi vorprogrammiert.
    Nur ein vollständiges Halte- und Parkverbot einhergehend mit dem Radweg Veloroute II kann hier wirklich nachhaltig Menschenleben retten

  3. P.S. Interessant wäre, ob der Dooring-Verursacher die Schuld kriegt.

  4. Wie ich gerade nachgelesen habe, darf man bis 1,6 Promille konsequenzenlos Rad fahren(solange man keine Fahrauffälligkeiten zeigt).

    Gedoort werden ist keine Fahrauffälligkeit seitens des Radfahrers.

    Insofern wirklich nicht nett, dass die Polizei mit dem Schuldfinger schonmal vorweg auf den Radfahrer zeigt.

    Im großen Radforum von Reddit.com ist es ein Running Gag der deutschen Nutzer, dass die Polizei Presseartikel gerne mit „Radfahrer trug keinen Helm!“ einleitet.

    Danke für diesen Artikel.

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