Prüfen, prüfen, prüfen – aber nicht handeln

Viktoriastraße an der Kerkwege: Wie geht es zum Rathaus?

Bild: Viktoriastraße an der Kerkwege: Wie geht es zum Rathaus?

Das Tiefbauamt verfeinert seine Strategie, um lästige Bürgeranregungen im Sande verlaufen zu lassen. Das Zauberwort heißt »prüfen«. Dann muss man gar nichts tun. Es wird nicht einmal deutlich, worin das Prüfen eigentlich bestehen soll. Die Ergebnisse des Prüfens – sofern es welche gibt – werden nicht öffentlich. Und die Prüfungen führen zu keinem erkennbaren Handeln. Mit anderen Worten: Die Bürgeranregung ist aus dem Weg geräumt und alles bleibt, wie es ist.

Diese Strategie hatte die Stadt Bochum erstmals bei meiner Bürgeranregung zu Wattenscheider Straße und Hansastraße umfassend angewendet: Die Beschlussvorlage verwies elf Mal darauf dass die Situation »geprüft« werde. Geändert wurde nichts.

Beschlussvorlage 20251070 zur Viktoriastraße GO24:

Herr Kuliga reichte eine Anregung ein, in welcher er die Radverkehrsführung in der gesamten Viktoriastraße bemängelt und anregt, eine durchgehende und konfliktfreie Radverkehrsführung zu schaffen, die die neun Nebenstraßen anbindet, Radfahrenden das Linksabbiegen und Fußgängern eine sichere Querung der Fahrbahn ermöglicht.
Beschlussvorschlag:
Der Anregung nach § 24 GO NRW wird in Teilen gefolgt.
Eine optimale Lösung ist nur im Zusammenhang mit einem Komplettumbau der Viktoriastraße möglich.
Ein Umbau ist zwar geplant, wird sich aber erst nach der Baumaßnahme Südring bewältigen lassen.
In der Zwischenzeit werden weitere Verbesserungsmaßnahmen in Abhängigkeit von der Auswertung der Verkehrsbelastungszählungen geprüft und ggf. nach einer Vorstellung in den politischen Gremien umgesetzt.

Die Viktoriastraße ist einzigartig in Bochum: Sie bindet gleich zwei Radialstraßen an die Innenstadt an und ist auch noch Teil des sogenannten Radkreuzes.
Die beiden Radialstraßen, die durch die Viktoriastraße mit dem Innenring verbunden werden, sind die Königsallee und die Hattinger Straße.
Sogenanntes Radkreuz weil die Stadt Bochum gerade daran arbeitet, einen Arm dieses Kreuzes verschwinden zu lassen: Die Viktoriastraße wird vor dem Husemann-Karree zur Fußgängerzone.

Viktoriastraße / Südring (Juli 2024)
Viktoriastraße / Südring (Juli 2024): Seit über 40 Jahren unverändert.

Die Viktoriastraße ist seit vierzig Jahren als das Paradebeispiel für eine fahrradfeindliche Hauptverkehrsstraße bekannt (Pilotprojekt). Seitdem bastelt die Stadt Bochum an der Straße herum.

Viktoriastraße an Marienkirche (2011).

Aber einfach geradeaus fahren, kann dort man dort bis heute nicht. Jedenfalls, wenn man mit dem Rad fährt.

Die Strategie des Tiefbauamts:

1. »Eine optimale Lösung ist nur im Zusammenhang mit einem Komplettumbau der Viktoriastraße möglich.«
2. »Ein Umbau ist zwar geplant, wird sich aber erst nach der Baumaßnahme Südring bewältigen lassen.«
3. »In der Zwischenzeit werden weitere Verbesserungsmaßnahmen geprüft.«

Die Stadt Bochum bastelt jetzt seit fast vierzig Jahren an der Viktoriastraße herum. Aber bis heute gibt es dort keine durchgehenden Radwege. Und das, was an Radwegen vorhanden ist, stammt teilweise noch aus den 1970er Jahren. Wer nicht auf Gehwegen fahren will, muss mehrfach zwischen Seitenraum und Fahrbahn wechseln. Oskar-Hoffmann-Straße und Hattinger Straße wurden komplett umgebaut, aber Die Kreuzung am Schauspielhaus ist trotz jeder Menge roter Farbe ein Musterbeispiel für Inkompetenz. Es gibt an keinem der vier Arme eine sichere Führung für linksabbiegende Radfahrer.
(Bild aus dem Pilotprojekt Radwege- und Beschilderungsplan Bochum von 1988)

Zusätzlich wird der in den Sternen stehende »Komplettumbau der Viktoriastraße« noch weiter in die Ferne gerückt, indem die »Baumaßnahme Südring« als Puffer dazwischen geschoben wird. Für Radwege auf dem Südring – genauer zwischen Rottstraße und Nordbahnhof gibt es bis heute nicht einmal ansatzweise eine Planung.

Dabei gibt es eine pragmatische Lösung: Reduzierung auf einen Fahrstreifen pro Richtung und Tempo 30. Das ist ohne Komplettumbau möglich und erfordert nur Markierungsarbeiten. Im Bereich Bermudadreieck sollte die Viktoriastraße sowieso ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich sein, damit Fußgänger die Fahrbahn in dem gesamten Bereich gefahrlos queren können.

Die Anbindung der neun Nebenstraßen für Fußgänger und Radfahrer sollte selbstverständlich sein. Aber heute ist z.B. die Humboldtstraße für Radfahrer nur über die Fahrbahn erreichbar und erfordert die Querung von gleich zwei Fahrstreifen. Fußgänger haben es auch nicht leichter.

Und für der Südring gibt es auch eine Lösung.

Die Stadt Bochum prüft. Für die nächsten Jahrzehnte.

3 Antworten auf „Prüfen, prüfen, prüfen – aber nicht handeln“

  1. Wer da freiwillig mit dem Rad entang fährt, ist schon iwie dazu ‚gezwungen‘.
    Zumal das ‚tolle‘ Radkreuz am Husemannplatz auch unterbrochen wird.
    Die Radwege unter der DB – Brücke werden außerdem auch sehr gerne von Fussgängergruppen vereinnahmt, was es nicht einfacher macht.
    Die Radwegeführung entlang der Viktoriastrasse ist ein miserables Stückwerk.
    Wäre das eine Autostraße, gäbe es täglich Unfälle wegen der Desorientierung der Nutzer.

  2. Immerhin bekommt Bochum jetzt vielleicht Olympia. Man sieht wo die Prioritäten liegen. Prestigeprojekte für Politiker, lebensgefährlicher täglicher Spießrutenlauf im Straßenverkehr für Radfahrende.

  3. Tim Rollmann sagt:

    Wie immer volle Zustimmung!

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