Katastrophaler Verkehrsversuch in Bochum Linden

Verkehrsversuch Hattinger Straße (28.04.2026)

Bild: Foto vom 28.04.2026. Symbolisch für den Verkehrsversuch Hattinger Straße : Wo sollen die Radfahrer denn jetzt hin?

Typische Situation kurz vor Beginn des Verkehrsversuchs: Parken im Halteverbot, unmittelbar an der Kante des Radwegs.

Nach dem aktuellen Stand der Technik, definiert durch die FGSV, ist zu parkenden Autos ein Sicherheitstrennstreifen von 0,75 m Breite zwingend erforderlich:

Es empfiehlt sich, die Anzahl von Parkständen für den privaten Kfz-Verkehr im Straßenraum möglichst gering zu halten. Wenn ruhender Verkehr nicht zu vermeiden ist, sind gemäß VwV-StVO Sicherheitsräume zu allen Arten der Radverkehrsführung vorzusehen. Diese sind als Sicherheitstrennstreifen auszuführen. Es ist zweckmäßig, diese in einer Breite von mindestens 0,75 m auszuführen.1

Sicherheitstrennstreifen sind nicht Teil der Radverkehrsanlage und baulich oder verkehrstechnisch zu kennzeichnen. (ERA 2010)

Angewendet auf die Hattinger Straße im Ortszentrum Linden würde das die folgende Raumaufteilung erfordern:

Mit anderen Worten: Der ehemalige Radweg muss vollständig zum Kfz-Parkraum werden. Der Gehweg ist ja nach wie vor für radfahrende Kinder bis zum 8. Geburtstag benutzungspflichtig. Und auch für ihre erwachsenen Begleiter muss ausreichend Platz sein.
In diesem Bereich ist der nicht erkennbare »Sicherheitstrennstreifen« exakt so breit, wie der Bordstein: 15 cm.

Von Sicherheit keine Spur

Dass hier der Verkehrsversuch beginnt, ist kaum erkennbar. Von hier an müssen Radfahrer an den Straßenbahnschienen entlang fahren. Hier gilt noch Tempo 50.

Schon der erste Versuch, die Versuchsstrecke zu befahren, scheitert total: Ein Lkw parkt vor meiner Nase im absoluten Halteverbot.

Kein Durchkommen mehr. Eine zufällig vorbeikommende Polizeistreife zeigte sich desinteressiert: »Wir nehmen das zur Kenntnis«.
Wenn eine Autotür geöffnet wird, ist der Ofen aus.
Das andere Ende: Beginn des Verkehrsversuchs Richtung Bochum Zentrum. Der »Radweg« ist bis hierhin benutzungspflichtig. Wo ist die sichere Überleitung auf die Fahrbahn?
In die Zange genommen: Eine Minute später stand mir der überholende Transporter wieder im Weg.

Tatsächlich sind die Sicherheitstrennstreifen zwischen den parkenden Autos und dem Radverkehr auf der Fahrbahn in beiden Richtungen in der Regel gerade einmal 20 cm breit.

Parken ist hier verkehrsgefährdend. In Richtung Bochum Zentrum geht es zudem spürbar bergauf.

Kurz vorher hatte die WAZ noch berichtet:

Zu den Änderungen gehört, dass entlang der Versuchsstrecke, zwischen Hasenwinkeler- und Dr.-C.-Otto-Straße, künftig nicht mehr am Fahrbahnrand, sondern gekippt auf [!] dem Radweg geparkt werden darf.2

Im Gegensatz zur Ankündigung wurden die Kfz nicht auf den ehemaligen Radweg verschoben, sondern nur an die Kante der roten Pflasterung – obwohl Rad fahren dort jetzt verboten ist.

So geht Parken mit negativem Sicherheitsabstand: Der Pkw ragt in den Verkehrsraum des Radverkehrs. Nicht der Einzige.

Wer die Hattinger Straße in Linden mit dem Rad als Weg zur Arbeit nutzt, hat während des Verkehrsversuchs etwa 400 Chancen, dort schwer zu verunglücken. Der Verkehrsversuch soll ein Jahr dauern.

Die Polizei parkt auch nicht besser als die anderen.

Wie fährt es sich hier wohl mit einem Lastenrad oder mit einem Kinderanhänger?

Der Verkehrsversuch Hattinger Straße reiht sich schon jetzt in die Liste der gescheiterten Radverkehrsversuche ein Bochum ein:

Hattinger Straße: »Semi Protected Bike Lane« als Radfahrer-Falle.
Wittener Straße 101: Abgebrochen wegen Unfallgefahr.
Oskar-Hoffmann-Straße: Wo soll man denn jetzt Parken?
Dazu kommt die fehlkonstruierte »Protected Bike Lane« an der Universitätsstraße.
Und jetzt: Hattinger Straße in Linden: Von Sicherheit keine Spur.

Alle diese Beispiel zeigen nur, wie es nicht geht. Eine Lernkurve ist nicht erkennbar.

Wer dieses Jahr an der Hattinger Straße ohne schwere Verletzungen überlebt, kann von Glück sagen.

Piktogramme oder Sharrows auf der Fahrbahn würden helfen.
Nebenbei: Die Fahrbahn ist in einem sehr schlechten Zustand.

  1. https://www.fgsv-verlag.de/pub/media/pdf/26502.v.pdf ↩︎
  2. https://www.waz.de/lokales/bochum/article411708392/strasse-im-bochumer-stadtteilzentrum-wird-ganz-neu-aufgeteilt.html (WAZ plus) ↩︎

2 Antworten auf „Katastrophaler Verkehrsversuch in Bochum Linden“

  1. Kerstin Sablowski sagt:

    Guten Tag
    Ich kann die im Artikel beschriebenen Punkte gut nachvollziehen. Besonders stellt sich für mich die Frage, wie Lastenfahrräder auf diesem Abschnitt sicher unterwegs sein sollen, da sie deutlich mehr Platz benötigen.

    Die aktuelle Verkehrsführung wirkt auf mich noch nicht ganz ausgereift. Vor allem das Zusammenspiel von Straßenbahngleisen, parkenden Autos und dem übrigen Verkehr erscheint mir teilweise unübersichtlich und potenziell problematisch.

    Zusätzlich habe ich persönlich die Geschwindigkeitsanzeige (mit dem Smiley) beobachtet und dabei den Eindruck gewonnen, dass sich viele Verkehrsteilnehmende nicht an die vorgesehenen 20 km/h halten.

    Ich würde mir wünschen, dass diese Aspekte im weiteren Verlauf des Verkehrsversuchs genau beobachtet und bei Bedarf zeitnah angepasst werden, um die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden zu gewährleisten.

  2. Tim Rollmann sagt:

    Joa, geil.

    Man nimmt also Radfahrern und Fußgängern Platz für den PKW Verkehr weg.

    Das wird noch mehr Konflikte auf dem Bürgersteig zwischen Radverkehr und Fußgängern geben.

    Mal ganz abgesehen davon, dass da schon immer verbotenerweise so auf dem Bürgersteig geparkt wurde, dass man durch die Dooringzone musste. Direkt vor der Polizeiwache, die interessiert sowas nicht.

    Und zur Weihnachtszeit wurden immer Tannenbäume & co auf dem Radweg plaziert.
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    Ich bin auch fassungslos über die Sperrung der gerade eröffneten Opel Trasse. Mal wieder eine Komplettsperrung der Bahntrassen wegen irgendwelcher anderer Arbeiten.
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    Ich bin langsam dafür, etwas radikaler gegen diesen Unsinn vorzugehen.
    Meine Bürgerkontakte mit der Stadt haben nämlich nichts gebracht, die Radfahrvberbände scheinen ignoriert zu werden. Ordnungsamt & Polizei glänzen mit Inkompetenz, Ciritcal Mass & Co führen zu nichts.

    Ich dachte an:
    -Gefahrenstellen mit wasserlöslichem(!) Graffiti markieren. Da wasserlöslich, dürfte es legal sein.
    -Aufkleber bei Frittenbuden & co auslegen. Damit die sich im Stadtgebiet verteilen.
    -Aufkleber könnten für weg.li, Überholabstände und Ähnliches werben.
    -Man könnte ein Transparent ans Geländer der Springorum-Radwg-Brücke über den Sheffieldring spannen: „Stau? Fahr Rad 🙂 “
    -Gerade die aktuellen Spritpreise könnten für viele ein Anreiz sein, mal Rad statt KFZ zu fahren.
    Man müsste den Leuten nur mit etwas „Webung“ darauf aufmerksam machen. Werbung wirkt, muss ich als BWLler sagen.

    Ich selbst nutze weg.li.

    Dummerweise muss man sich für die o.g. Maßnahmen in Verbänden organisieren und genau das ist nichts für mich.
    Mich erinnert die Situation in solchen Verbänden immer an die der antiken Griechen vor der Invasion der Perser: Man war sich zwar einig, dass man die Perser bekämpfen muss.
    Aber wie man jetzt gegen die Perser vorgehen sollte, da gabs soviele unterschiedliche Meinungen zu, dass die Griechen Versammlung über Versammlung abhielten, redeten und redeten, sich zerstritten und um ein Haar noch gegenseitig bekriegt hätten.

    Ähnliches kann man immer wieder beobachten:
    Auch die germanischen Stämme haben sich um Christi Geburt herum zerstritten, weil sie nicht einig wurden, wie man mit den Römern umzugehen hatte.

    Und selbst auf Eigentümerversammlungen bei Immobilen erlebe ich das:
    Dass einTreppenhaus renoviert werden soll, darüber sind sich alle Eigentümer einig.
    Aber über die Details wie Fabe, Fussleisten und sonstwas wird dann so lange rumdiskutiert, dass keiner mehr Bock hat und das Projekt aufgegeben wird.

    So ähnlich lese ich es in Fahrradforen:
    Radfahrer sind sich alle einig: Die Fahrradsturktur ist grösstenteils Mist.
    Aber was jetzt eine gute Struktur ist, darüber fliegen die Fetzen.

    Langer Kommentar:
    Ich wäre bereit, aktiver zu werden, aber nicht im Verband.

    @Klaus,, falls Du das liest: Wenn ich DIREKT irgendwas tun kann, um dem ADFC zu helfen(Flyer in KiTas auslegen, Aufkleber, irgenwas) oder ich sonst irgendwas tun kann, dann maile mich an.

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