Bild: Brenscheder Straße, Kirchviertel, Werktag, Mittag. (30.04.2026)
Die FGSV verlangt an dieser Stelle beidseitig je einen 0,75 m breiten Sicherheitstrennstreifen.
Die Opel-Trasse ist gesperrt und plötzlich fällt auf, dass die Brenscheder Straße zum Radfahren ungeeignet ist. Was für ein Wunder.
Die WAZ:
»Der gefährlichste Abschnitt ist die Brenscheder Straße zwischen Universitätsstraße und Kirchviertel. Er ist relativ eng, hat keinen Radweg und ist zu beiden Seiten vollgeparkt. Wer nicht gegen eine sich plötzlich öffnende Autotür fahren will („Dooring-Unfall“), muss fast in der Fahrbahnmitte fahren; was die Autofahrer hinter ihm nerven wird. Außerdem ist der Fahrbahnbelag an vielen Stellen ein Flickenteppich und deshalb rumpelig.«1
Die Brenscheder Straße ist Teil einer Temo-30-Zone. Es gilt Rechts-vor-Links, an den Knotenpunkten finden sich Haifischzähne, um das zu verdeutlichen.

Die Brenscheder Straße erschließt das gesamte Kirchviertel zwischen Markstraße und Universitätsstraße. Da sollte man selbstverständlich davon ausgehen können, dass diese Straße nahmobilitäts- und damit fußgänger- und fahrradfreundlich ist. Schließlich ist Bochum ja schon lange Mitglied in der AGFS NRW. Nur merkt man nichts davon.

Im Gegenteil: die Straße ist »relativ eng, hat keinen Radweg und ist zu beiden Seiten vollgeparkt.« Und es gibt nirgendwo Sicherheitstrennstreifen zu den parkenden Autos.
Das gilt in Bochum wahrscheinlich für hunderte Straßen. Bestes Beispiel ist das Ehrenfeld zu beiden Seiten der Königsallee: Das ganze Viertel dient hauptsächlich als Parkfläche. So gut wie alle Straßen im Ehrenfeld sind relativ eng, haben keine Radwege und sind zu beiden Seiten vollgeparkt.

Die Straßen haben meist Fahrbahnen von 6,50 bis 7,50 m Breite, liegen in Tempo-30-Zonen und werden beidseitig zugeparkt. In Tempo-30-Zonen sind Radwege verboten. Radfahrer müssen auf die Fahrbahn. Aber zwischen den parkenden Kfz bleibt in der Regel nicht mehr als 3,50 m Fahrbahn frei. Im Bedarfsfall wird gekipptes Parken angeordnet und von den Gehwegen bleibt maximal die Hälfte übrig. Das muss dann auch noch für die Kinder reichen, die dort mit dem Fahrrad unterwegs sind und bis zum achten Geburtstag auf den Gehwegen Rad fahren müssen.
Beispiel: Friederikastraße
Die Friederikastraße verbindet die Königsallee mit der Hattinger Straße und verläuft einmal quer durch das gesamte Ehrenfeld. Dort fahren auch noch Busse.
Wie breit ist ein geparktes Auto?
Ein parkendes Auto ist 3,50 bis über 4 Meter breit. Davon sieht man nur die Hälfte. Die andere Hälfte ist die sogenannte Dooring-Zone. Es ist bemerkenswert, dass es dafür im Autoland Deutschland kein Wort gibt. Dooring heißt auf Deutsch: »Akute Gefahr durch Autotüren, die sich plötzlich öffnen«. Das kann für Radfahrer unvermutet tödlich ausgehen.

Das aktuell gültige Bemessungsfahrzeug für Pkw-Parkraum an Straßen hat eine Länge von 4,88 m, eine Breite (ohne Spiegel) von 1,89 m und eine Höhe von 2,00 m. Die tatsächliche Breite mit den Außenspiegeln links und rechts liegt bei vielen Pkw über 2 Meter. Deshalb musste die linke Spur in Autobahnbaustellen vor einiger Zeit zumindest rechnerisch von 2,00 auf 2,10 m verbreitert werden. Viele Pkw hätten sonst nicht mehr überholen dürfen.
Wie breit ist ein Pkw mit geöffneten Türen?
Hersteller geben diesen Wert so gut wie nie in offiziellen Datenblättern an. In den Fahrzeugpapieren steht nicht einmal die Breite mit Spiegeln. Man kann ihn jedoch anhand der Fahrzeugmaße zuverlässig schätzen: Eine aktuelle Mercedes E-Klasse ist ohne Außenspiegel ca. 1,88 Meter breit. Die vorderen Türen einer Limousine dieser Klasse haben eine Länge von etwa 1,00 bis 1,10 Metern. Da Türen in der Regel nicht im 90-Grad-Winkel, sondern etwas weniger weit öffnen, rechnet man pro Seite mit einem zusätzlichen Platzbedarf von etwa 95 cm bis 105 cm.
Gesamtbreite: Etwa 1,90 m plus 2* 1 m = 3,90 Meter.
Gemessen an einer über vierzig Jahre alten Familienkutsche: Breite mit Spiegeln: 1,96 m. Breite der Fahrertür: 1,03 m. Breite des Autos mit geöffneten Türen: 3,50 m.
Auch Kleinwagen haben breite Türen: Ein zweitüriger VW Lupo (Länge 3,53 m) hat 1,25 m breite Türen und das ist typisch.
In den letzten 40 Jahren sind die Autos nicht kleiner geworden und dann kamen auch noch die SUV.
Auf einer Fahrbahn von 7,50 m Breite mit beidseitig geparkten Pkw bleibt also für den Radverkehr eine freie Fläche von 1,50 m Breite übrig (7,50 m – 2* 2 m – 2* 1m Sicherheitsabstand). Das ist die Fläche, auf der man gefahrlos Rad fahren kann. Radfahrer müssen auf solchen Straßen also im wahrsten Sinne des Wortes »mitten auf der Fahrbahn« fahren um sich nicht selbst zu gefährden. Und das wird – wie die WAZ so schön sagt – »die Autofahrer hinter ihm nerven«.
Der Konflikt zwischen Auto und Fahrrad ist nur auflösbar, wenn die Fahrbahn zum Fahren frei bleibt. Bochum hat das gemerkt und sich für das Parken entschieden. Das zeigte schon die heftige Diskussion um Bochums erste »Veloroute« im März 2024:
Gemäß der städtischen Planung würden viele Parkplätze entfallen. Dazu soll es aber nicht kommen. Die Politik, allen voran die Koalition aus SPD und Grünen in der Bezirksvertretung Bochum-Mitte, hat ihr Veto eingelegt. Auch die CDU bezeichnet den „eklatanten Wegfall von Parkraum“ als „anwohnerunfreundlich“.2
Nach der Kommunalwahl zog die SPD die Konsequenz:
Der Parkdruck in den Quartieren ist bereits hoch genug und der daraus resultierende Parksuchverkehr ist mit Sicherheit keine Antwort auf den Klimawandel. Daher kämpfen wir unter anderem gegen das weitere drastische Streichen von Parkplätzen.
Pressemitteilung der SPD Bochum nach der Kommunalwahl 2025
Es lebe die Autostadt Bochum.
Immerhin empfinde ich den WAZ Artikel über die Opel-Umleitung als fahrradfreundlich.
Man merkt, dass der Autor Fahrrad fährt, inbsbesondere, weil er die Angst beim Radeln zwischen Dooringzone und drängelndem Autofahrer beschreibt.
Wenn man vom Grundgedanken ausgeht, dass die Presse pi mal Daumen die Haltung der Bevölkerung spiegelt, bin ich positiv davon überrascht, in einem eher konservativen Blatt etwas pro-Rad zu lesen.
Der Artikel mit dem Parkraum an der Veloroute ist natürlich wieder eine Posse.
Wobei offen gesagt: Eigentlich sind die städtischen Regeln zum Parkraum egal. Denn in Bochum kann man sowieso parken, wie man will. Ordnungsamt-Kontrollen gibt es allenfalls im innenstadtnahen Bereich, und da auch nur in homöopathischer Dosierung.
Ich habe irgendwann mal die Zahl zu verhängten Bußgeldern an der Hernerstraße für Radwegparken in einem Jahr aufgeschnappt: Ich meine, die Zahl wäre einstellig gewesen.
Ich selbst zeige besonders gefährliches Parken mit weg.li an.
Das Ordnungsamt Bochum hat mir auf Nachfrage bestätigt: Die Anzeigen werden bearbeitet.
Gerade Grundschul-Kinder werden durch sowas arg gefährdet.
Dummerweise hat das Anzeigen von gefährlichen Parkern auf Nicht-Radfahrer und Nicht-Eltern eine Art querulanitschen Beigeschmack.
Viele verstehen überhaupt nicht, wie sie mit ihren PKWs volantilere Verkehrsteilnehmer gefährden.
2025 wurden 147 Kinder unter 12 Jahren in Bochum von PKW Fahrern und Fahrerinnen angefahren oder überfahren.
Und trotzdem tun Polizei und Ordnungsamt nahezu gar nichts gegen den längst ausser Kontrolle geratenen KFZ Verkehr.
Geschwindigkeitsbegrenzungen werden von so ziemlich jedem um mindestens 20% überschritten, mit 44% längerem Bremsweg.
Anlieger frei, egal.
Es wird auf Bürgersteigen Auto gefahren.
Im Lottental ist mal ein Linienbus auf dem Bürgersteig gefahren, um Gegenverkehr Platz zu machen. Er übersah nur mich mit Kinderwagen, ich musste irgendwie zur Seite springen.
Radfahrer werden bedrängt oder zu eng überholt – Konsequenzenlos.
Du kannst auch mit getunten Karren 80 in der Innenstadt fahren – Sieht man immer wieder.
Nachts wird auf der Hattingerstr auch mal 100 gefahren, besonders am Wochenende.
Sichtlinien in Kreuzungen sind so blockiert, dass Kinder und Fließverkehr sich nicht gegenseitig sehen können.
Hier im Ehrenfeld / Romanusplatz ist es so schlimm, dass wir unser Kind nicht alleine draussen rumlaufen lassen können – Wir müssen es überall hin eskortieren.
Gerade morgens auf dem Weg zur Grundschule suchen gleichzeitig Patienten und Personal des Bergmanheils Parkplätze – Bei Dunkelheit und in Eile.
Das Resultat: Raserei, hektische Wendemannöver auf dem Bürgersteig, Autos die aus Einfahrten mit 30km/h über den Bürgersteig kacheln.
Bei Verwanschaft auf dem Land geht das: Da kann das Kind alleine durchs Dorf zu Freunden gehen.
Familien/kinderfreundlich ist Bochum kaum.
Letztendlich liegt es mit daran, dass man in Sachen Mobilität voll aufs Auto gesetzt hat.