Bild: Geplanter Kreisverkehr Oskar-Hoffmann-Straße / Steinring.
Die Verwaltung hat neue Planungen für die Oskar-Hoffmann-Straße zwischen Universitätsstraße und Steinring vorgelegt. Ein Straßenabschnitt von etwa 350 Metern Länge. Schon jetzt gilt dort wegen Lärmschutz Tempo 30. Nach dem im Ansatz gescheiterten Verkehrsversuch sollen vor allem möglichst viele Parkplätze erhalten bleiben.
Nur auf einem kleinen Teil der Straße soll es eine separate Radverkehrsführung geben. Für den größten Teil bleibt es beim Mischverkehr auf der Fahrbahn.
Die größten Änderungen gibt es an der Kreuzung Oskar-Hoffmann-Straße und Steinring. Hier soll endlich ein Kreisverkehr gebaut werden – mit eigenen Zu- und Abfahrten in Düppelstraße und Glockengarten.
Neu für Bochum sind zwei Elemente der Planung:
- Erstmalig werden 0,75 m breite Sicherheitstrennstreifen zu den parkenden Autos markiert, obwohl es gar keine Radfahrstreifen gibt.
- Statt Radfahrstreifen gibt es Piktogrammketten – keine Sharrows – auf der Fahrbahn.

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Sharrows sind größer und deutlicher als einfache Fahrrad-Piktogramme.
Sharrows auf einer Fahrradstraße in Essen (Bolsterbaum)
Im Kreuzungsbereich mit der Universitätsstraße soll der größte Fehler unverändert erhalten bleiben:
Der Auffangradweg vor der Ampel ist viel zu kurz. Radfahrer können nicht bis zur Ampel vorfahren, wenn dort auch nur wenige Autos stehen. Der Auffangradweg müsste beginnen, bevor die Fahrbahn aufgeteilt wird.

Der Auffangradweg vor der Universitätsstraße ist viel zu kurz.
Die Überleitung vom Radfahrstreifen der Universitätsstraße auf die Fahrbahn endet weiterhin genau im kritischen Bereich.
Sabine Vogt behauptet trotzdem in der WAZ: »Eine Wohnstraße in Bochum wird fahrradfreundlich umgestaltet.«1.
Der Gehweg auf der Nordseite ist nur 2,40 m breit, gemessen von der Hauswand zu den parkenden Kfz. Es gibt keinen Sicherheitstrennstreifen und keinen Sicherheitsabstand zu den Häusern, obwohl dort auch Kinder mit dem Rad fahren müssen (bis 8 Jahre) oder können (bis 10 Jahre). Netto verbleiben keine 2 m Gehweg.
Bei den quer parkenden Kfz auf der Südseite sind Sicherheitstrennstreifen an beiden Enden vorgesehen. Dort ist der Gehweg 2,78 m breit plus 0,75 m Sicherheitstrennstreifen.
Die verbleibende Fahrbahn zwischen den Sicherheitstrennstreifen ist 6 m breit. Neben einem Fahrrad plus Überholabstand (1,50 m) verbleiben 3,50 m. Fahrräder können also immer noch überholt werden – wenn es keinen Gegenverkehr gibt.
Und das wird auch passieren, denn Autofahrer wollen immer zuerst an der Ampel stehen. Radfahrer stehen dann im Stau vor der Ampel. Fahrradfreundlich geht anders.
Denselben Fehler hatte die Stadt Bochum hier auch schon vorher gemacht – und an der Castroper Straße wiederholt.
Mittlerweile ist der Fehler dort korrigiert.

Der Radfahrstreifen ist mit 1,85 m deutlich zu schmal. Das verführt Autofahrer zum Überholen ohne Sicherheitsabstand.
Das Abbiegen nach links in die Düppelstraße wird dadurch nicht einfacher.
Der Gehweg hat nur 2,19 m zur Hauswand. Die Parkplätze in diesem Bereich entfallen. Die Fahrbahn ist nur 5,75 m breit.

Ein Überholverbot »Zeichen 277.1: Verbot des Überholens von einspurigen Fahrzeugen für mehrspurige Kraftfahrzeuge und Krafträdern mit Beiwagen.« würde diese Probleme lösen: Weniger Lärm, weniger Stress, mehr Sicherheit.
Auf 300 Metern Länge bei maximal Tempo 30 wäre der maximale Zeitverlust für Autofahrer rein psychologisch: Sie könnten nicht mehr Erster sein.
Die Bäume auf der Nordseite der Straße werden voraussichtlich alle gefällt.
Der Kreisverkehr ändert alles
Der geplante Kreisverkehr im Bereich Oskar-Hoffmann-Straße (links und rechts), Düppelstraße, Steinring (oben und unten) und Glockengarten.
Es gibt keine Ampeln mehr. Alle Zufahrten und Ausfahrten sind einstreifig.
Für den Radverkehr werden an der Düppelstraße und am Glockengarten separate Zufahrten in den Kreisverkehr in Form von baulichen Radwegen gebaut. Der Parkplatz an der Ostseite wird verkleinert. Auf den Radwegen gibt es Zebrastreifen. Das hat es so in Bochum auch noch nie gegeben. Nur die Lösung am Kreisverkehr an der Max-Imdahl-Straße im Bereich RUB West ist ähnlich.
Sabine Vogt behauptet in der WAZ: »Auch der Kreisverkehr wird zusätzliche Radfahrstreifen bekommen.«
»Radler bekommen auch im Kreisel eigene Fahrstreifen.« Stimmt nicht.
Die beiden Straßen – Düppelstraße und Glockengarten – haben niedrige Tempolimits. Die Düppelstraße ist ein verkehrsberuhigter Bereich, der Glockengarten Teil einer Tempo-20-Zone. Aber am Ende der Radwege haben Radfahrer keine Vorfahrt. Vorteil Autoverkehr. Theoretisch dürfte man auf den ersten ca. 50 Metern Düppelstraße sogar Tempo 50 fahren: Der verkehrsberuhigte Bereich beginnt erst danach (Grenze des grauen Bereichs unten). Auch auf der Oskar-Hoffmann-Straße beginnt Tempo-30 erst nach der Einmündung der Düppelstraße.

Sabine Vogt schreibt in der WAZ: »Eine weitere Variante sah einen beidseitigen Radweg vor. Allerdings müssten dazu Bäume gefällt werden, zudem entfielen 76 Parkplätze. Dies kommt für das Tiefbauamt also nicht infrage.«
Nur ungefähr ein Woche zuvor hatte das Tiefbauamt noch das Gegenteil behauptet:
»Ansonsten hätten Autofahrer schlichtweg kein Recht darauf, ihre Fahrzeuge im öffentlichen Raum abzustellen. Grundsätzlich habe das Parken in der Verkehrsplanung die „geringste Priorität“, so die Verwaltung.«2
»Ziel der Stadt sei es, alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt zu berücksichtigen. Aber: Mit Blick auf den Klimaschutz will die Verwaltung den Fuß-, Rad- und Nahverkehr gezielt fördern. Auch, wenn das bedeutet, dass dafür weitere Parkplätze – etwa für neue Fahrradständer – verschwinden müssen, teilte Stadtsprecher Peter van Dyk mit.«
Auf der Oskar-Hoffmann-Straße gilt das alles offensichtlich nicht.
Entweder gibt es kein Recht auf Parken im öffentlcihen Raum und das Parken hat in der Verkehrsplanung die »geringste Priorität« – dann wären beidseitige Radwege in der Oskar-Hoffmann-Straße kein Problem – oder die Verwaltung lügt.
Bäume werden so oder so gefällt.
Bevor diese Planungen aber überhaupt spruchreif werden, vergehen voraussichtlich noch mehrere Jahre.
Zuerst werden noch umfangreiche Bauarbeiten an Entwässerungsanlagen durchgeführt:
»Um das Mischwassernetz zu entlasten, ist im Bereich Steinring/Oskar-Hoffmann-Straße ein Regenüberlaufbauwerk geplant. Im weiteren Verlauf ist in der Oskar-Hoffmann-Straße zwischen Steinring und Universitätsstraße ein Entlastungskanal geplant, der künftig als Regenwasserableiter fungieren wird.
…
Des Weiteren wird der bestehende Mischwasserkanal in der Oskar-Hoffmann-Straße zwischen Steinring und Universitätsstraße aus baulichen und hydraulischen Gründen erneuert.« (Beschlussvorlage der Verwaltung 20261492)
Das wird Jahre dauern. Für die Entwässerung gibt es momentan weder einen Zeit- noch einen Kostenplan.
Der gesamte Vorgang (Beschlussvorlage und vier Lagepläne) im RIS:
https://bochum.ratsinfomanagement.net/vorgang/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZQxL9wXzz5rb3aGS308E5Zk
- https://www.waz.de/lokales/bochum/article412317047/stadt-bochum-hat-aus-dem-verkehrsversuch-gelernt-wie-eine-strasse-nun-umgebaut-wird.html (WAZ plus) ↩︎
- https://www.waz.de/lokales/bochum/article412255487/parkplatz-chaos-am-bergmannsheil-in-bochum-loesungsideen-gibtE28098s-aber-es-passiert-nichts.html (WAZ plus) ↩︎
Frau Vogt möge mal bitte selbst im Berufsverkehr Fahrrad fahren.