Bild: Radschnellweg RS1 in Bochum.
Eigentlich gilt in NRW für Radschnellwege die 4+2-Regel: Vier Meter Radweg und daneben zwei Meter Gehweg. Alle Radschnellwege in NRW sind getrennte Geh- und Radwege, solange sie selbständig geführt sind.
Verkehrte Welt
In Bochum ist das anders: In Fahrtrichtung Bochum steht rechts neben dem, was ein Gehweg sein sollte, ein Schild, dass diesen Teil des RS1 zum Radweg erklärt. Einen Gehweg gibt es nicht. Links neben dem »Radweg« befindet sich etwas, das wie eine Fahrbahn aussieht. Da es aber daneben einen benutzungspflichtigen Radweg gibt, dürfen Fahrräder diese Fahrbahn nicht benutzen. Da es aber keinen Gehweg gibt, dürften Fußgänger die Fahrbahn benutzen. Der Radweg ist ja für Fußgänger verboten.


Der NRW-Leitfaden für Radschnellwege sagt dazu: »Für die Verkehrs- und Zusatzzeichen gilt die Allgemeine
Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung (§§ 39–43 VwV-StVO).«
Allerdings gibt es auch eine Vorgabe für Radschnellwege ohne Grünstreifen zwischen Rad- und Gehweg, wie in Bochum und Gelsenkirchen. Demnach müsste man das Zeichen 241 (Getrennter Rad- und Gehweg) verwenden:

Folgt man dem Leitfaden, haben Bochum und Gelsenkirchen falsch beschildert. Aber immerhin ist der RS1 in beiden Städten als Vorfahrtstraße ausgewiesen. Sonst hätten von rechts auf den RS1 einbiegende Radfahrer an jeder Zufahrt Vorfahrt gegenüber dem RS1. Fußgänger haben per se nie Vorfahrt, weil sie keine Fahrzeuge sind.

An der Blücherstraße ist die Vorfahrtstraße RS1 unterbrochen: Fällt die Ampelanlage aus, hat die Blücherstraße Vorfahrt.

In Fahrtrichtung Bochum aber rechts neben dem Gehweg.
Die eigentliche Frage lautet: Was sagt uns die Beschilderung des RS1 in Bochum über das Bochumer Tiefbauamt?
@DoroimGarten
Es ist schön, dass Du 1.500km „freizeitmässig“ in Bochum unterwegs bist und es dir gefällt.
Leider belegen Statistiken, dass große Teile der Stadtbevölkerung Radfahren als „stressig“ empfinden.
Es gibt eine städtische Statistik, die belegt, dass 80-90%(weiss den genauen Wert nicht) der Bochumer Radfahrer STRESS und ANGST empfinden.
Eine weitere Statistik des ADFC verifiziert das.
https://bovelo.de/2025/06/13/die-angst-regiert-rad-fahren-in-bochum/
Auch die ADFC Note(n) für Bochum sprechen Bände.
Du schreibst, dass Du „freizeitmässig“ radelst. Das ist in der Tat in Bochum ganz okay, wenn man Bahntrassen, Ruhrtal, Wäder und Natur nutzt.
Sobald man da radelt, wo Autos fahren, ist es STRESS und ANGST.
Schonmal an nem Novembermorgen im PKW-Berufsverkehr geradelt?
Hattingerstr?
Wittenerstr?
Dorstenerstr?
Hernerstr?
Zu 95% eine Todeszone im Berufsverkehr.
Schonmal mit nem Kind in nem innenstadtnahen Stadtteil wie Ehrenfeld geradelt?
Ich rad-pendle jetzt seit 6 Jahren mit dem Pedelec und hatte schon drei Unfälle:
Auf der Markstr. bin ich auf dem Radschutzstreifen von einem PKW gerammt worden,
auf der Hiltroperstr. bin ich mit dem Reifen im Herbst an einer Kante auf dem Radweg hängen geblieben, im Ruhrtal bin ich an einer engen, uneinsichtigen Stelle mit nem Schaltzug an nem Pöller hängen geblieben.
Dazu ein körperlicher Angriff auf mich und mein Kind seitens zwei LKW Fahrern im Mark 51 7.
Das habe ich angezeigt: keinoeffentlichesinteresse.org Fall 26(glaube ich).
Seitdem habe ich ne Dashcam am Rad.
Ich finds aber schön, dass Du hier bist und dir Radfahren gefällt. Wir brauchen mehr Leute wiedich.
Der Ersteller des Blogs leistet super Arbeit, alles unbezahlt.
Ich finde das super.
@Tim Rollmann
Wer ist „ihr alle“? Alle sind die , die hier mal reinschauen. So viele können es aber nicht sein, weil sich die Kommentare, bis auf einen Tim…… doch sehr in Grenzen halten.
Wenn das alles so schrecklich ist und die Radfahrer so untergebuttert werden und von der „inkompetenten“ Verwaltung einfach nicht beachtet werden ist die Resonanz hier doch sehr überschaubar.
Ich bin sehr im Zweifel, ob es was nutzt ständig alles zu kritisieren was mit Radwegen oder geplanten Radwegen in Zusammenhang steht.
Die immer wieder beschworene Stadtgesellschaft sieht dies, zumindest in Teilen, doch wohl ganz anders.
PS: Ich bin in diesem Jahr bereits so rund 1500 km freizeitmäßig mit dem Rad in Bochum unterwegs gewesen. Ich hatte dabei kaum Probleme.
Kann also nicht alles ganz schlimm sein.
@Doroimgarten
Wer ist „ihr alle“?
Hier äussern sich nur zwei Leute zum Artikel: Der Verfasser selbst und ich.
Die im Artikel beschriebene Schildersituation stört mich auch nicht wirklich.
Allerdings steht sie stellvertretend für etwas Anderes:
Für völlige Inkompetenz seitens des Tiefbauamtes.
Wer in Bochum rad-pendelt, merkt schnell: Die Radwege sind voller Stellen, wo man sich als Radfahrer kaum bis gar nicht korrekt verhalten kann.
Eben wie im Artikel: Das Tiefbauamt bemerkt die einfachsten Fehler nicht.
Falsche Beschilderungen, Benutzungspflichtige Radwege durch die Dooringzone, Vekehrsführung, die fast zum Geisterradeln zwingt…
Ein Unfallschwerpunkt ist die Kreuzung Südring/Viktoriastraße:
Da kann man sich als Radfahrer kaum korrekt verhalten, weil die Radwegführung mit der Fußgängerführung unsinnig kollidiert.
Und bei einer Unfallaufnahme durch die Polizei wirds dann schwierig.
Dass das Tiefbauamt schuld an einem Unfall ist, lässt die Polizeiunfallaufnahme nicht zu.
Das führt zu einer falschen Schuld-Zuweisung, zu falschen Polizeistatistiken.
Und die Statistiken führen zu weiterer, falscher Radwegplanung.
Solche „unlogischen Stellen“ wie im Artikel beschrieben gibt es in Bochum massenweise, und das sagt einiges über die Radwegplaner aus.
Jetzt mal ernsthaft: Warum tut ihr alle so als wenn Radfahrer oder Fußgänger zu blöd sind zu wissen wo sie fahren oder gehen können?
Ist das euer Ernst wegen ein paar, zugegeben, dusselig aufgestellter Schilder alles in Bausch und Bogen in die Tonne zu treten?
Der RS 1 ist ein super guter Rad und Fußweg. Da ändern auch ein paar schlampige Schilder nichts.
In diesem Sinne weiterhin gute Fahrt
Wobei ich den RS1 insgesamt schon fantastisch finde, zumal das einer der sehr wenigen Radwege ist, wo kleine Kinder sicher radeln können.
Schade, dass er auf keiner meiner Alltagsstrecken liegt.
Und ob der RS1 noch in diesem Jahrzehnt mal weitergebaut wird, bleibt zu bezweifeln. Besonders ein Brückenschlag über die A40 dürfte…Naja.. Vermutlich erst in weiter Zukunft statt finden.
Man müsste ja für den Brückenschlag die für Autos heilige A40 (teil-)sperren.
Das kann man dem Auto doch nicht zumuten!
Der viel zu starke Autoverkehr ist mittlerweile so empflindlich, schon ne Sperrung einer Spur auf der Königsalle vor 2 Jahren führte zum Verkehrskollaps in Stiepel, Wiemelhausen, Weitmar, Ehrenfeld, Altenbochum. Und der komplette Sheffieldring war dadurch auch dicht und trug Stau bis Wattenscheid und Grumme.
Selbiges mit der geplanten Brücke der Opelstrasse: Eine Stadtautobahn für Radwegbauarbeiten sperren?
Ich glaubs nicht.
Umgekehrt wird übrigens für jegliche Baustallen am PKW-Raum sofort Radweg und Fußgweg gesperrt, nicht selten über Monate.
Joa, der Kernbotschaft kann man nur zustimmen:
Das Tiefbauamt Bochum bemerkt die offensichtlichsten Fehler in ihrer eigenen Planung nicht.
Das Schlimme ist: Die haben ja schon recht viel Radstruktur in den letzten Jahren angelegt. Aber eben fast immer inkompetenz, voller unfassbar vieler Fehler.
Deswegen sage ich immer: Die sollen sich einen Ehrenamtler von nem Radfahrverband dazu holen, der Pläne „absegnet“.
Soweit ich weiß, macht es NL so.
Auch sollte das Tiefbauamt mal Mitarbeiter nach NL oder wenigstens Münster, Freiburg (…)zum hospitieren schicken.