Ziel war ein persönlicher Rekord: Die Radreise durch Deutschland und Polen sollte die längste meines Lebens werden.
Drei Jahre vorher war der erste Versuch dazu, eine Radreise durch Frankreich entlang der Atlantikküste noch an einem Beinbruch nach einem Sturz an der Loire gescheitert.
Diesmal hat es geklappt: 5656 km in sechsundfünfzig und einem halben Tag. Nur mit Zelt, Schlafsack und Isomatte, jeden Tag woanders übernachtet. 100 km pro Tag, aber ohne Hotels, Pensionen oder auch nur Campingplätze. Wild eben.
Mein Gefühl war: Mit siebzig macht man das nicht mehr. Und das hat sich bestätigt.
Ich werde es nicht wieder tun.
Zelt, Schlafsack und Isomatte sind alle etwa zwanzig Jahre alt. Für das nächste Mal müsste ich alles neu kaufen. Alle Teile haben ihre Macken und neue sind dazu gekommen. Das gilt auch für mich.
Mein treuester Begleiter auf der ganzen Reise war ein Nierenstein, der erste in meinem Leben. Ich musste unterwegs in Gera für einen Tag über die Notaufnahme ins Krankenhaus. An den Folgen der Behandlung hatte ich von da an jeden Tag zu knabbern. Den Nierenstein habe ich immer noch.
Aber ich bin angekommen:
Am 4. Juli 2026 vor der Haustüre gestartet und am 29. August wieder dort angekommen. Jeden Kilometer nur mit eigener Muskelkraft gefahren (oder geschoben). Das war das Prinzip.

Die Radreise in Stichworten:
Start: Sa 04.07.2026
Ende: Sa 29.08.2026, 11:34
8 Wochen, 56 Tage + 1 Krankenhaustag
Mittlere Geschwindigkeit in Bewegung: 15,7 km/h
Höhenmeter: 29.656
Gewicht: vorher ca. 76 kg, nachher 67 kg.
Defekte an Zelt (Reißverschluss, Stange), Schlafsack (Reißverschluss), Regenjacke (Risse).

Die Ausrüstung war seitdem auf allen Radreisen dabei.
Kleidung schwer mitgenommen (Trikots, Socken, Schuhe).
(Fast) keine Defekte am Rad (viele Verschleißteile neu.)
Kein Reifendefekt. Nur der Schaltzug ist gerissen (Ersatz dabei).
Ein Mal in Polen vom Auto angefahren, ohne schwere Folgen. Die Fahrerin ist geflüchtet.
Unmengen an Hautpflege verbraucht: Body Milk, Hautcreme, Panthenolsalbe.
Am Donnerstag (drittletzter Tag) Portemonnaie verloren, erst Freitagmorgen bemerkt: Bargeld, Bankkarten, Personalausweis, Gesundheitskarte: alles weg. Ein Tag Radfahren ohne einen Cent in der Tasche (150 km).
Hauptmerkmale:
Von Bochum nach Bochum. Von der Haustüre zur Haustüre. Nur mit Muskelkraft, 100 km pro Tag. Kein Ruhetag, Keine Hotels, Pensionen usw. Keine Campingplätze. Alle Nächte im Zelt. Frugale Ernährung ohne Kocher. Selbstverpflegung (Wasser Müsli, Orangensaft, Brot, Käse, Obst)


Radwege:
Rheintal – Lahnradweg – D4 (Thüringer und Sächsische Städtekette) – Oder-Neiße (kurz) – Grenze Polen bis Kielce 500 km querbeet – Green Velo – MPR (Masuren Rad Runde) – Eurovelo 10 (Ostseeküste) mit Rügenrunde – Priwall/Travemünde bis Bochum: Mix aus Iron Curtain Trail (EV 13, verschiedenen D-Routen und anderem).

Wichtige Stationen:
Herrnhut – Belzec, Sobibor, Treblinka (Aktion Reinhardt), Schwiddern (Geburtsort meines Vaters), Frauenburg (Nikolaus Kopernikus).


Ich kannte viele dieser Orte aus vorherigen Reisen, aber in Ostpolen bin ich vorher noch nie mit dem Rad gewesen – die Entfernung schien zu groß.

Eine hochpolitische Angelegenheit.


Die größten Herausforderungen: Sand, Schotter, Schlaglöcher, Kopfstein- und Betonpflaster, steile Anstiege (16 % und mehr) – und der Wind..

Ich habe mehrfach beobachtet, wie Leute mit einfachen Pedelecs mühelos gefahren sind, wo ich schwer kämpfen oder schieben musste. Auch im Sand – natürlich ohne Gepäck.






Sehr spannend. WIe schaffst Du 100km/am Tag?
Bin Mitte 40 und das schaffe ich nichtmal mit dem Pedelec.
Tolle Leistung – tolles Abenteuer! Danke für den spannenden Reisebericht.