Baustelle Herner Straße / A43: Reiner Irrsinn

2.9.2026 Baustelle Herner Str. - A43

Die Stadt Bochum zeigt an der Baustelle unter der A43-Brücke wieder einmal ihr wahres Gesicht. Bochum ist immer noch durch und durch Autostadt – 12 Jahre nachdem in Bochum am am 5. Dezember 2014 der letzte Opel gebaut wurde.

„Opel hat die Stadt wirtschafts- und sozialgeschichtlich komplett umgekrempelt.“ (Kai Rawe, Leiter des Stadtarchivs, im August 2025)

In den Köpfen von Politik und Verwaltung ist das immer noch spürbar.

Der Kreuzungsbereich Herner Straße / A43 ist neben der Kreuzung Universitätsstraße / A43 eine der fahrradfeindlichsten Kreuzungen in Bochum. Für den letzten Bauabschnitt der Herner Straße hatte die maximale Beschleunigung des Autoverkehrs oberste Priorität.

Dem wurde die Radverkehrsinfrastruktur geopfert. Zwei Fahrstreifen pro Richtung für den Autoverkehr mussten sein, für ausreichend breite Radfahrstreifen und Sicherheitstrennstreifen bleib kein Platz. Das wurde billigend in Kauf genommen.

Zudem ist der Kreuzungsbereich Herner Straße / A43 die einzige Stelle, an der die Herner Straße keine Radfahrstreifen, sondern Radwege hat: zu schmal, mit starken Verschwenkungen und ohne durchgehende Grünphase für den Radverkehr.
Unter der Brücke mussten unbedingt völlig überflüssige Kfz-Parkstreifen angelegt werden. Also ist auch der Gehweg viel zu schmal.

Die Situation 2012: rot – grün – rot – rot. Knopf drücken – warten – fahren – Knopf drücken …

Es hat mich als ADFC-Vorsitzenden 2012 unglaublich viel Zeit und Mühe gekostet, wenigstens eine durchgehende Grünphase für den Radverkehr durchzusetzen. Angeblich würde das zu einem Rückstau bis auf die Autobahn führen. Den hat es noch nie gegeben.

Die Ironie des ganzen Irrsinns: Heute gilt auf dem gesamten Abschnitt zwischen A40 und A43 Tempo 30. Durchgesetzt von der DUH mit der Argument „Luftreinhaltung“.

Und an der A40, wo ebenfalls der zweite Fahrstreifen beginnt, gibt es mittlerweile eine kamerabasierte Ampel, um den einfach nur geradeaus fahrenden Radverkehr zu sichern.

Die Baustelle an der A43 ist demgegenüber ein gewaltiger Schritt zurück in die Autostadt-Zeiten der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Die Baustelle ist gerade einmal 100 Meter lang. Und selbstverständlich gilt in diesem Bereich Tempo 30. Aber das Durchfahren der Baustelle mit dem Fahrrad ist verboten. Fußverkehr und Autoverkehr sind nicht verboten. Diskriminiert wird nur der Radverkehr.

Die Stadt Bochum hat für die Radfahrer eine in beiden Richtungen zu befahrenden Umleitung eingerichtet. Wer aus Herne kommt, muss die Herner Straße zwei mal queren.

Die Umleitung für beide Fahrtrichtungen: Oben Herne, unten Bochum.

Die Umleitungsstrecke über Cruismannstraße und Oberscheidstraße eingerichtet. Die Umleitungsstrecke ist nicht 100 Meter, sondern 1250 Meter lang. Das ergibt einen Umwegfaktor von 12,5. Die FGSV hält einen Faktor 1,1 für verträglich. Hier haben wir mehr als das Zehnfache.

Schon die ersten Versuche zu Velorouten in den 1980er Jahren haben ein wesentliches Merkmal des Radverkehrs klar herausgearbeitet: de Umwegempfindlichkeit.

Natürlich wäre es einfach möglich gewesen, die schwach sinnige Lösung, die Bochum bevorzugt, durch simple Alternativen zu vermeiden:
1. Führung im Mischverkehr wie in jeder Tempo-30-Zone.
2. Gehweg – Radverkehr frei für den Gehweg im Baustellenbereich.

An der Ausfahrt der A43 ist die Ampel in Betrieb. Auch während der Baustelle.

Einziges Problem ist in Richtung Bochum die Querung des zweiten Fahrstreifens, der wie eine freie Rechtsabbiegespur an der Autobahnausfahrt beginnt. Aber das ist lösbar: Es gilt schließlich Tempo 30!

3 Antworten auf „Baustelle Herner Straße / A43: Reiner Irrsinn“

  1. Ferdinand Cramer sagt:

    Die Zuständigen bei der Stadt Bochum hassen Radfahrer! Das ist nicht allein mit Inkompetenz zu erklären.

  2. Im Leben würde ich da mein Kinder da nicht radfahren lassen.

    Ich musste meinem Kind aber jetzt auch das Radfahren in Ehrenfeld verbieten.
    Es ist einfach zuviel Autoverkehr da.

    Aber das alleine Zu-Fuß-Gehen musste ich ihm ja auch verbieten. Wir müssen ihn überall hineskortieren.

    Bei Verwadnschaft auf dem Dorf läuft er schon seit einem Jahr alleine durchs Dorf.

    Ehrenfeld ist eine Zumutung mit kleinen Kindern.

  3. Ich erinnere mich an eine Zeit, als ich ein ähnliches Projekt in einer anderen Stadt beobachtete.

Schreibe einen Kommentar